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In Zukunft ist sie nun von diesem Sitze zwischen zwei Stühlen befreit. Da sie der Wunsch der Regierung, wie wir noch sehen werden, in eine reine Erwerbsgesellschaft verwandelt hat, so scheidet fortan der Gedanke der Unterstützung neuer Ankömmlinge durch wohlfeile Abgabe von Muttervieh für sie aus. Sie wird nun sicherlich die Erlangung der für sie vorteilhaftesten Preise zur ausschließlichen Richtschnur ihres Verhaltens nehmen. Aber darum kann man doch nicht für die Vergangenheit von ihr behaupten, daß sie kein anderes Streben beseelt habe.
Wie mit ihren Farmbetrieben, diente sie dem Interesse der Siedlung auch durch ihre Tätigkeit in der Bewässerungsfrage.
Hier boten sich zwei Wege. Sie konnte auf den zu verkaufenden Farmen Brunnen bohren, und sie konnte Expeditionen zur Erkundung der Wasserverhältnisse und ihrer Nutzbarmachung ausrüsten. Zur Beschreitung des ersteren lag keine Veranlassung vor, so lange sie noch genug Farmen mit offenem Wasser hatte. Von etwa 30 solchen sind heute erst 13 verkauft. Auf den übrigen aber kostspielige Bohrungen auszuführen, das wäre um so riskanter gewesen, als wir noch nicht einmal heute, um die Worte Rohrbachs zu gebrauchen, eine „noch so provisorische durchgehende geologische Landesaufnahme des Schutzgebietes besitzen, die Geologie vielmehr Än ebenso folgenschwerer wie unverantwortlicher und unbegreiflicher Weise vernachlässigt worden ist". Bei dieser Sachlage war es nicht nur vorzuziehen, sondern ein sachlich richtiger Entschluß im Interesse der Siedlung, wenn die Gesellschaft, abgesehen von der Verbesserung ihrer eigenen Farmbetriebe durch Wasseranlagen, die ihr 27 000 Mk. kosteten, sich für die Beschreitung des zweiten Weges entschied. Eine der Ursachen, die die Klein-Windhuker Kleinsiedlung in ihrem ursprüglichen Sinne hatten scheitern lassen, war die Wasserfrage gewesen. Neue Bohrungen, die wie wir sahen, zum Teil von dem Gouvernement wieder zugeschüttet wurden, hatten die vorhandene Wassermenge nicht erhöht, sondern nur bereits erschlossene Quellen geschwächt. Durchgreifende Besserung schien hier unmöglich. Wie aber, wenn es gelang, die für Ackerbau erforderlichen großen Wassermengen durch Stauwerke zu gewinnen? Mußte da nicht die Frage