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Die Siedelungsgesellschaft für Deutsch-Südwestafrika : Vortrag, gehalten in der Staadswissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena am 21. November 1907 / von G. K. Anton
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Keine Kolonialgesellschaft hat die Öffentlichkeit mehr beschäftigt als die Siedlungsgesellschaft für Südwestafrika. Um im Streite der Meinungen zu einem unbefangenen Urteil zu gelangen, haben wir uns zunächst ihre Entstehung und die ihr vom Staate erteilte Auf­gabe zu vergegenwärtigen.

Versetzeu Sie sich in die für unsere vaterländischen und kolonialen Interessen schmerzliche Zeit, da Fürst Bismarck aus dem Amte ge­schieden war. Sein Nachfolger mußte nicht nur 1890 den bereits zwischen seinem Vorgänger und unseren englischen Vettern verein­barten Helgoland-Ostafrikavertrag abschließen, der den Afrikareisenden Stanley zu der Kritik veranlaßte, das Deutsche Reich habe für einen alten Knopf eine neue Hose hingegeben, sondern er erklärte auch, daß ihm nichts Unangenehmeres begegnen könne, als wenn ihm ganz Afrika zum Geschenk gebracht würde. Es entspricht dieser allge­meinen Stellungnahme v. Caprivis, wenn die damals sehr verfahrenen südwestafrikanischen Verhältnisse ihm den Schluß nahe legten, das Deutsche Reich tue am besten, sich dieses Teiles der Bismarckschen Hinterlassenschaft zu entäußern. Es steht heute fest, daß der Kanzler die Kolonie aufgeben wollte, wenn kein Kapital ins Land gebracht, keine wirtschaftlichen Unternehmungen dort ins Leben gerufen würden. Ohne deren Vorhandensein glaubte er sich außerstande, das Fort­bestehen der deutschen Verwaltung in Südwestafrika vor den gesetz­gebenden Körperschaften noch länger zu rechtfertigen.

In dieser kritischen Zeit faßte die deutsche Kolonialgesellschaft den patriotischen Entschluß, durch Aufnahme der Siedlungstätigkeit diese einzige unserer Kolonien, in der deutsche Siedlung in größerem Maßstabe möglich war, dem Vaterlande zu erhalten. Im Oktober 1890 hatte die erste Schutztruppe, die in dem überwältigenden Effektiv­bestande von 23 Mann im Juni 1889 zur Wiederherstellung unseres

Anton, Die Siedlungsgosellschaft f. Deutsch-Südwestafrika. 1