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Die Siedelungsgesellschaft für Deutsch-Südwestafrika : Vortrag, gehalten in der Staadswissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena am 21. November 1907 / von G. K. Anton
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diesen Vorwurf zu wiederlegen, so hatte doch der Gedanke der Klein­siedlung in ihrem ursprünglichen Sinne der Ermöglichung auskömm­licher Existenz durch Garten- und Viehwirtschaft eines nur 6 Morgen besitzenden und an der Gemeindeweide teilnehmenden Kleinsiedlers einen kräftigen Stoß erlitten.

Soviel über die Siedlungstätigkeit des Syndikates und ihr Er­gebnis. Ende 1895 ging nun aus ihm die Siedlungsgesellschaft her­vor. Hat sie die Siedlung im engeren Sinne in derselben Weise wie das Syndikat betrieben? Das hat sie nicht getan. Sie wurde viel­mehr durch die Erfahrungen ihres Vorgängers zu Zweifeln über die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges veranlaßt und durch die er­wähnten Angriffe zu der Überzeugung geführt, daß die direkte An­werbung von Ansiedlern, ihre Herausbeförderung und Unterstützung mit Betriebskapital untunlich sei, so lange sie selbst über die Möglich­keit ihres Fortkommens noch keine genügenden Erfahrungen hatte. Um dem Vorwurf der Verführung zu entgehen, hielt sie es für richtig, sich vorläufig der vom Syndikat geübten Beeinflussung der Nach­frage nach Land zu enthalten. Sie gab fortan Land nur ab, wenn Nachfragende von selber sich einstellten. Wie entwickelte sich nun hierbei die Siedlung?

Wir betrachten zunächst die Kleinsiedlung. Für sie war der Verzicht auf die Anwerbung und Unterstützung der Heimstättler nicht nur gleichbedeutend mit der Vermeidung des Vorwurfs der Verführung, sondern auch mit dem Verzicht auf die Sisyphusarbeit, auf ungenügender und unzureichend bewässerbarer Landfläche mittel­lose Einwanderer in existenzfähige Kleinbauern zu verwandeln. Die besten, wasserreichen Heimstätten waren bereits vergeben und von den übrigen höchstens einige noch als Unterlage für kleine Bauern­wirtschaften zu gebrauchen. Wohl aber machte die Lage der Heim­stätten in unmittelbarer Nähe der Hauptstadt sie für diejenigen be­gehrenswert, denen der Aufenthalt in Groß- Windh.uk zu teuer wurde. Hier konnten sie ungezwungen und zurückgezogen leben, ohne auf die Freuden der nahen Stadt verzichten zu müssen, nebenbei auch gärtne­rische Versuche machen, wenn sie Lust dazu und einiges Wasser hatten. Auch manche Handwerker und Kaufleute Groß-Windhuks sahen sich

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