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Die Siedelungsgesellschaft für Deutsch-Südwestafrika : Vortrag, gehalten in der Staadswissenschaftlichen Gesellschaft zu Jena am 21. November 1907 / von G. K. Anton
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Aber ein solches Vorgehen, das den wirtschaftlichen Interessen des Schutzgebietes nur zum Nutzen gereicht hätte, machte der Ende 1903 ausbrechende Aufstand und nach seiner Beendigung die inzwischen veränderte Stellung des Staates zur Gesellschaft unmöglich.

Das führt mich nun von ihrer Siedlung im engeren Sinne zu ihrer Tätigkeit im Interesse der Siedlung.

Wir betrachten zunächst den eben erwähnten Farmbetrieb.

Indem die Gesellschaft ihre beiden Farmen Hoffnung und Unver­zagt aus der erwähnten Veranlassung 1896 einrichtete, denen später noch Nebenfarmen hinzutraten trug sie zugleich einem Gedanken Rechnung, der sich erstmals in einem amtlichen Bericht des stellvertretenden Kommissars für Südwestafrika, späteren Gou­verneurs von Togo, Köhler findet. Die Kolonialabteilung hatte ihn im November 1894 dem Syndikat weiter gegeben. Köhler hielt die Kleinsiedlung des Syndikates für unzweckmäßig, empfahl statt ihrer Farmen von mindestens 10000 ha und die Hinaussendung unter­nehmungslustiger Männer, die 2030000 M. Kapital besäßen. Zu deren Anlernung erschien ihm der vom Führer einer deutsch-russischen Kolonistengruppe gemachte Vorschlag einer Versuchsfarm als Lehr­institut besonders zweckdienlich. Doch nicht nur zu eigener und fremder Belehrung sollten die Farmen dienen, sondern vor allem auch zur Anzucht guten Mutterviehs und seiner Abgabe an neue An­kömmlinge, die sich im Konzessionsgebiet der Gesellschaft nieder­lassen wollten.

Bis zum Jahre 1901 ergaben beide Farmen einen Verlust von 131079 M. Die 1902 beginnenden kleinen Überschüsse berechtigten zur Hoffnung auf bessere Zeiten, als der Hereroaufstand dazwischen trat und die Farmen zerstörte. Obgleich die Siedlungsgesellschaft hier­durch einen Verlust an Vieh von 157693 M. 1 ), mit den Gebäuden von 192000 M. erlitt, nahm sie den Farmbetrieb, als das Abflauen des Aufstandes dies einigermaßen ermöglichte, wieder auf, indem sie unter Heranziehung ihrer Rücklagen das gerettete Vieh der Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika, etwa 450 Kühe, Kälber, Ochsen für 100000 M. ankaufte.

1) Vgl. Anm. 2 auf S. 44.