6. Z»ie wirtschaftliche u«d Kutturelke ZuKunst Neu Guineas und des Mismarckarchipels.
Die Grundlagen, auf denen eine gesunde Entwicklung unseres Südseeschutzgebietes in Zukunft möglich sein wird, ergeben sich aus der vergleichenden und kritischen Betrachtung der bisherigen Zustände von selbst. Der schlimmste Hemmschuh, die Verquickung staatlicher Gewalt mit geschäftlichen Sonderinteressen, ist beseitigt, seit das Reich die Verwaltung des Schutzgebietes übernommen hat. An den Beamten, die das Kolonialamt hinausschickt, liegt es nunmehr, die mannigfachen Keime wirtschaftlichen Lebens in ihrem Wachstum zu fördern oder wenigstens nicht zu hemmen. Selbst eine solche passive Rolle ist angesichts des allenthalben in unseren Kolonien von einsichtigen Leuten der Praxis beklagten Asscssorismus schon ein ungeheurer Gewinn.
Abgesehen von den vielen Aufgaben, die auf den Gebieten der Eingeborenenpolitik/) der Missionspolitik, des Gesundheitswesens, — Regierungsärzte fehlen bekanntlich — der Statistik, der Zoll- und Steuerverwaltung der Regierung harren, bedarf vor allem die Arbeiterfrage endlich einer wohlthuenden Regelung; denn sie entscheidet schließlich über Sein oder Nichtsein der Kolonie. Die Eingeborenen des Schutzgebietes haben durchaus kein Vertrauen zu dem bisher geübten Anwerbemodus; dieses kann sich nur bilden, wenn die Leute sehen, daß die Beamten der Kaiserlichen Regierung ihre Beschützer sind, die dafür sorgen, daß beim Anwerbegeschäft selber keine Unregelmäßigkeiten vorkommen, daß die Leute in ihrer Dienststelle eine wohlwollende, gerechte Behandlung erfahren, genügende Ruhe und ausreichende
Vgl. darüber meinen schon erwähnten Aufsatz im Oktoberheft der „Preußischen Jahrbücher" 1899.