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Neu-Guinea und der Bismarckarchipel : eine wirtschaftliche Studie / von Hans Blum
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5. Z>ie bisherige« Kulturelle« und Wirtschaftliche» Unternehmungen im Schutzgebiet.

Die im vorigen Abschnitt angestellten, für die Beurteilung der Kulturfähigkeit des Landes grundlegenden Betrachtungen be­zogen sich zwar im wesentlichen auf den deutschen Teil Neu-Guineas und den Bismarckarchipel, haben indes für das englische und hol­ländische Gebiet ihre Giltigkeit fast ohne Einschränkungen. In Britisch-Neu-Guinea scheint das Verhältnis von Flach- zu Gebirgs- und Hochgebirgsland noch ungünstiger zu sein als in Kaiser-Wilhelm­land; wenigstens sind die Urteile Sir William Mac Gregors über den Wert der meisten von ihm besuchten Flußebenen äußerst skeptisch und klingen fast immer in die Prognose aus, daß für europäische Ansied- lung in diesen Stromniederungen kein Raum sei, nur Zuckerrohr, Reis und andere Sumpf liebende Pflanzen könnten dort eine ge­deihliche Entwicklung finden. Dagegen baut der englische Forscher und erfahrene Kolonialpraktiker seine Hoffnungen auf das niedrige Hügelland; besonders scheinen die Wellenzüge am mittleren Fly zur Ansiedlung einzuladen und die Vorberge des Mt Bictory und der Hydrographer-Kette an der Ostkllste dünken dem bisherigen Gouver­neur von Britisch-Neu-Guinea sogar geeignet für Weinbau.

In Niederländisch-Neu-Guinea lassen uns Forschung und Er­fahrung fast ganz im Stich, um der Kulturfähigkeit des Landes ein genaueres Prognostikon zu stellen. Das kleine, aber regsame Holland mit seinen fünf Millionen Einwohnern auf einer Fläche von nur 33000 «Km hat einen Kolonialbesitz zu verwalten und zu kultivieren, der das Mutterland um das Sechsfache an räumlicher Ausdehnung übertrifft und der jungen Königin die Sorge für weitere 33 Millionen