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IV. Abschnitt.
Die Mutter-, Kinder-, Vater- und Bruder-Mörderin. Zweite Ehe mit Gottfried. Vergiftung desselben.
( 1813 ... 1817 ).
Wirft man, nach Betrachtung dieser ersten Mordthat, vor weiterer Verfolgung der Geschichte, einen Blick ai/f das Innere der Mörderin, wie es sich nach ihren eignen Mittheilungen darstellt, so kann dem Menschenkenner ihre Anlage schon zu jeder noch so unnatürlichen Handlung nicht entgehen. Als sie ihrem Manne die erste Gabe Gif reichte, da kannte sie dessen zerstörende Marterkraft noch nicht; lange hatte sie ihn jetzt daran leiden sehen, als er, am Stocke gestützt, von liebender Sorge für sie getrieben, sich die Treppe hinunter bemüht. Dies geht ihr durch's Herz, mit dem Gedanken: „wenn er einmal wüßte, daß ich seine Mörderin war!" und erweckt dennoch weder Mitleid noch Reue. Im Gegentheile; eZ spornt sie an, ihm auf's Neue Gift zu reichen. - Keine Schrecknisse der Mordthat, kein Grausen beim Anblick der entstellten Leiche, Nichts vermag in ihrem durch das Laster verhärteten, selbstsüchtigen Herzen die Stimme des Gewissens zu wecken; sie vernimmt nur die Furcht vor Entdeckung und die Mahnung zu gleißender Heuchelei. Als ihr Ermordeter mit dem Tode rang, das laute Brüllen