Heft 
(2015) Bd. 12. Architektur der Nachkriegszeit
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

Denkmalpflege in Bremen Heft 12

Ottmar Struwe

Das »Weinkontor«: Der ehemalige Firmensitz von Reidemeister Et Ulrichs wurde umgebaut

Der neue Name »Weinkontor« erinnert noch an die frühere Funktion der Gebäude von Reide­meister & Ulrichs, aber Weinfässer oder Tau­sende Weinflaschen wird man hier nicht mehr finden. Lediglich die großen Tankanlagen in den zwei Kelleretagen zeugen noch von der ehemaligen Nutzung als Weinlager. Diese Be­zeichnung ist allerdings nicht ganz zutreffend, denn hier wurde nicht nur der Wein in großen Fässern und Tanks gelagert, sondern auch der Gärprozess und der Ausbau der eingelagerten Weine gesteuert und überwacht. Aber auch hier gibt es schon lange keinen Tropfen Wein mehr, die Tanks sind leer, und die Anlagen und Rohr­leitungen wurden weitestgehend zurückgebaut. Außer dem Gebäude ist also nicht viel von der früheren Wirtschaftsweise der heute unter dem Dach von Eggers & Franke agierenden, renom­mierten Weinhandelsfirma Reidemeister & Ul­richs geblieben, die am 1. Januar 1831 gegrün­det wurde.

Die Firmengeschichte

An diesem Tag schlössen die Firmengründer von Reidemeister & Ulrichs ihre bisher unter den Namen Ulrichs & Sohn und Wichelhau­sen & Reidemeister geführten Weinhandlungen zusammen. Zunächst bezogen die Geschäfts­führer Carl Bartholomäus Ulrichs und Georg August Reidemeister ein Haus in der Sögestraße, um dann aber schon bald in ein größeres Ge­bäude an der Pelzerstraße umzuziehen. Im Jahre 1845 verstarb August Reidemeister, zehn Jahre später auch der andere Firmengründer Carl Ulrichs. 1850 trat Heinrich Wilhelm Bö­rners in das Unternehmen ein und führte die Geschäfte einige Jahre mit der Witwe von Carl

112

Ulrichs und anschließend mit deren Sohn Fried­rich. Nachdem dieser früh verstorben war, führ­te Heinrich Börners die Geschäfte bis zu seinem Tod allein weiter. Er hinterließ die Firma im Jahre 1887 seinem Sohn Heinrich, der dann zwei Jahre später eine Enkelin von Carl Ulrichs heiratete.

Die Geschäfte hatten sich bis dahin so gut entwickelt, dass neben dem Stammhaus ein Packhaus in der Sögestraße und einige andere Lagerräume im Stadtgebiet für die großen Wa­renmengen erforderlich wurden. Hierdurch ver­größerte sich aber auch der Verwaltungsauf­wand für die unter Zollverschluss zu haltenden Lagerbestände. So war es nur folgerichtig, einen Neubau in Auftrag zu geben, in dem die Ver­waltung und das Weinlager gemeinsam unter­gebracht werden sollten. Dieses neue Gebäude entstand auf dem ehemaligen Gelände der Hildebrockschen Reitbahn an der Straße An der Brake und wurde 1899 in Betrieb genommen.

Mit dem Bezug der neuen Geschäftsräume veränderte sich auch die Leitung des Unter­nehmens. Im Januar 1900 traten Hans Ulrichs, ein Enkel von C. Ulrichs, und der damalige Prokurist Friedrich Spannhake als Teilhaber in die Firma ein. 1920 kam Heinz Börners, ein Sohn von Heinrich Börners, als Teilhaber hin­zu. In diesen Jahren war die Firma sehr erfolg­reich. Um dem Bedarf nach einfachen Weinen gerecht zu werden, wurde eine Umschlag- und Tankanlage im Freihafen in Betrieb genommen. Der Zweite Weltkrieg beendete diese geschäft­liche Entwicklung und führte zu Schäden am Geschäftsgebäude und zum Verlust der Absatz­märkte. Es dauerte einige Jahre, bis Reide­meister & Ulrichs nach dem Krieg den Betrieb am alten Firmensitz An der Brake wieder auf­nehmen konnte, und dies auch nur für wenige