Heft 
(2015) Bd. 12. Architektur der Nachkriegszeit
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Kirsch - Bremer Schulbauten der Nachkriegszeit

Rolf Kirsch

Bremer Schulbauten der Nachkriegszeit

Bremen entfaltete in den ersten Nachkriegsjahr­zehnten eine sehr umfangreiche Schulbautätig­keit. Einerseits mussten kriegszerstörte Schulen repariert oder durch Neubauten ersetzt werden, andererseits bestand großer zusätzlicher Neu­baubedarf in den neu entstehenden Siedlun­gen. Ein wichtiger Faktor dabei war der Bevöl­kerungszuwachs durch Flüchtlinge. Zwar war 1957 der Vorkriegszustand hinsichtlich der nutz­baren Klassenraumkapazität wiederhergestellt, nachdem der Krieg diese um rund 70 % redu­ziert hatte. Durch den Zuzug waren aber die Schülerzahlen von 60.500 bei Kriegsausbruch nach einem Nachkriegs-Neustart bei 56.600 im Jahr 1951 bereits drastisch auf 81.700 angestie­gen. Mit dem Erreichen des Schulraumvolu­mens der Vorkriegszeit im Jahr 1957 war es also längst nicht getan. Um das Bevölkerungswachs­tum zu kompensieren, waren weitere Anstren­gungen nötig.

Entstehung und Bedeutung des Bremer Schulbauprogramms

Die Bremer Leistungen im Schulbau der 50er- und 60er-Jahre waren nicht nur von den reinen Zahlen her beachtlich, sondern vor allem auch von der Konzeption und von der architektoni­schen Gestaltung her. Auch außerhalb Bremens erregte das Bremer Schulneubauprogramm Auf­merksamkeit. Es war eng verknüpft mit der Per­son von Oberschulrat Wilhelm Berger, tätig in der Bremer Schulverwaltung von 1951 bis 1966. Berger war überregional und sogar international bekannt, nicht zuletzt durch seine Veröffentli­chungen. Seine 1960 erschienene, allgemein gehaltene Schulbaufibel »Schulbau von heute für morgen« fand in Fachkreisen weite Verbrei-

Y

Wilhelm Berger, Schulbau von heute für morgen, Buchtitel

tung. Er illustrierte sie durchgängig mit Bremer Beispielen. Die Bildauswahl Bergers kann aber nicht einfach als Lokalpatriotismus abgetan werden, sondern spiegelt die Vorreiterrolle Bre­mens im Schulbau der 50er- und frühen 60er- Jahre wider. Nicht ganz von ungefähr kam die stolze Selbsteinschätzung Bremens, 1966 rück­blickend formuliert von Bausenator Wilhelm Blase, die Schulen der Berger-Ära seien »das Beste, was es auf diesem Gebiet gebe« (zit. n. Syring 2014, S. 339).

Die führende Position Bremens war nicht nur in der Person Bergers begründet, sondern hatte auch historische und organisatorische Ur­sachen: Bereits in den 1920er-Jahren war in Bre­men mit den reformpädagogisch orientierten Versuchsschulen der Weimarer Zeit, an denen auch Berger beteiligt war, eine moderne pädago-