Kirsch - Bremer Schulbauten der Nachkriegszeit
Rolf Kirsch
Bremer Schulbauten der Nachkriegszeit
Bremen entfaltete in den ersten Nachkriegsjahrzehnten eine sehr umfangreiche Schulbautätigkeit. Einerseits mussten kriegszerstörte Schulen repariert oder durch Neubauten ersetzt werden, andererseits bestand großer zusätzlicher Neubaubedarf in den neu entstehenden Siedlungen. Ein wichtiger Faktor dabei war der Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlinge. Zwar war 1957 der Vorkriegszustand hinsichtlich der nutzbaren Klassenraumkapazität wiederhergestellt, nachdem der Krieg diese um rund 70 % reduziert hatte. Durch den Zuzug waren aber die Schülerzahlen von 60.500 bei Kriegsausbruch nach einem Nachkriegs-Neustart bei 56.600 im Jahr 1951 bereits drastisch auf 81.700 angestiegen. Mit dem Erreichen des Schulraumvolumens der Vorkriegszeit im Jahr 1957 war es also längst nicht getan. Um das Bevölkerungswachstum zu kompensieren, waren weitere Anstrengungen nötig.
Entstehung und Bedeutung des Bremer Schulbauprogramms
Die Bremer Leistungen im Schulbau der 50er- und 60er-Jahre waren nicht nur von den reinen Zahlen her beachtlich, sondern vor allem auch von der Konzeption und von der architektonischen Gestaltung her. Auch außerhalb Bremens erregte das Bremer Schulneubauprogramm Aufmerksamkeit. Es war eng verknüpft mit der Person von Oberschulrat Wilhelm Berger, tätig in der Bremer Schulverwaltung von 1951 bis 1966. Berger war überregional und sogar international bekannt, nicht zuletzt durch seine Veröffentlichungen. Seine 1960 erschienene, allgemein gehaltene Schulbaufibel »Schulbau von heute für morgen« fand in Fachkreisen weite Verbrei-
Y
Wilhelm Berger, Schulbau von heute für morgen, Buchtitel
tung. Er illustrierte sie durchgängig mit Bremer Beispielen. Die Bildauswahl Bergers kann aber nicht einfach als Lokalpatriotismus abgetan werden, sondern spiegelt die Vorreiterrolle Bremens im Schulbau der 50er- und frühen 60er- Jahre wider. Nicht ganz von ungefähr kam die stolze Selbsteinschätzung Bremens, 1966 rückblickend formuliert von Bausenator Wilhelm Blase, die Schulen der Berger-Ära seien »das Beste, was es auf diesem Gebiet gebe« (zit. n. Syring 2014, S. 339).
Die führende Position Bremens war nicht nur in der Person Bergers begründet, sondern hatte auch historische und organisatorische Ursachen: Bereits in den 1920er-Jahren war in Bremen mit den reformpädagogisch orientierten Versuchsschulen der Weimarer Zeit, an denen auch Berger beteiligt war, eine moderne pädago-