Denkmalpflege in Bremen Heft 12
Uwe Schwartz
Dr. Max Säume (1901-1965) und
Günther Hafemann (1902-1960) -
modernster Städtebau der Fünfzigerjahre in Bremen
Der Zweite Weltkrieg hat die Lebenswege einer ganzen Generation oft entscheidend verändert, auch die der beiden Architekten Max Säume und Günther Hafemann. In Berlin aufgewachsen, hatten sie sich im Studium der Architektur an der Technischen Hochschule Charlottenburg (heute Technische Universität Berlin) kennengelernt und dauerhaft Freundschaft geschlossen. Ihr Lehrer an der Hochschule war Hans Poelzig (1869-1936), ein allgemein hoch angesehener Architekt, der zwischen den Weltkriegen in der Architekturdiskussion um einen den neuen demokratischen Gesellschaftsverhältnissen der Weimarer Republik angemessenen Architekturstil eine wichtige Rolle einnahm. Max Säume sprach 1960 im Nachruf auf seinen Freund und Kollegen Günther Hafemann (Säume 1960) über Hans Poelzig in der Rückschau voller Bewunderung, kritisierte jedoch auch dessen Drang, die Architektur zu sehr zu individualisieren. Dieser Vorbehalt wurde aber wohl noch nicht während des Studiums gehegt, das die beiden etwa 1925 abgeschlossen haben müssen. Er entstand erst, nachdem Säume und Hafemann von der modernen, von rationeller Gestaltung geprägten Bewegung beeinflusst wurden, die man damals als »Neues Bauen« betitelte. Diese Bewegung, die während ihrer Studienzeit in Berlin ihr Zentrum hatte, war von der Gründung des Bauhauses in Weimar und später in Dessau beflügelt worden und trat mit der Weißenhofsiedlung des Deutschen Werkbunds in Stuttgart 1927 erstmals öffentlichkeitswirksam in Erscheinung. Dass Max Säume keineswegs nur rationale Ideen während seines Studiums verfolgte, zeigt das Thema seiner 1926 abgeschlossenen Promotion: Diese behandelte das architektonische Werk des um 1400 tätigen Baumeisters Hinrich Brunsberg, untersuchte
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dessen Bauwerke und Werdegang erstmalig wissenschaftlich und ordnete Brunsberg als bedeutenden preußischen Architekten und Begründer der Spätgotik in der Mark Brandenburg ein. Die intensive Auseinandersetzung mit gotischer Architektur ist unter fortschrittlich gesinnten jungen Architekten der Zeit vor 1925 durchaus verbreitet. Der Expressionismus in der Architektur hat entsprechend auch viele Anleihen bei der Architektur des Mittelalters als einem - nach damaliger Auffassung - noch reinen, unverfälschten Stil gemacht. Aber Säume strebte nicht nach einer rein wissenschaftlichen Tätigkeit, sondern wollte an der Gestaltung der Gegenwart mitwirken: Noch während er promovierte, nahm Max Säume 1925 am großen städtebaulichen Wettbewerb zur Umgestaltung der Straße Unter den Linden in Berlin teil. Vier Blätter dieses Beitrags mit dem Motto »Vom Schloßplatz bis zum Brandenburger Tor. Immer ran, immer ran, immer ran!« haben sich in der Plankammer der TU Berlin erhalten. Sie belegen das frühe Interesse Max Säumes für Fragen des Städtebaus. Es erscheint daher nur folgerichtig, dass er und Günther Hafemann im Jahr 1926 eine Anstellung im Berliner Büro des Architekten Hermann Jansen (1869-1945) erhielten, der wie Hans Poelzig als Professor an der TH Charlottenburg lehrte und in seiner Zeit als einer der großen deutschen Städtebauer galt. Im Nachlass der Zeichnungen Hermann Jansens finden sich heute einige Blätter, die das Zeichen von Säume oder Hafemann tragen. Darunter sind für das Jahr 1926 Stadterweiterungspläne für Wittlich (heute Rheinland-Pfalz) und Goslar (Am Köppelsbleek), 1927 für Brotterode in Thüringen oder 1930 der Bebauungsplan für den Schlossplatz/Hindenburgplatz in Münster. Herausheben sollte man die Mitarbeit