Druckschrift 
Australien und die Südsee an der Jahrhundertwende : Kolonialstudien / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
123
 
Einzelbild herunterladen
 

Westaustralien.

Westralia", wie dievolonials" das Land kurz nennen, bildet mit seinen 2527 283 H>Kln das gesamte westliche, in weiten Strecken noch unerforschte Drittel des Kontinents. Seinen einförmigen Küsten sind zahlreiche Znseln vorgelagert; tiefere Einschnitte mit guten Häfen finden sich besonders an der Nordküste, während an der Westseite die Sharks- und Geographenbai, an der Südseite der King George Sund zu nennen sind. Hinter der meist niedrigen und sandigen, im Süden aber steil aufsteigenden Küste erhebt sich das Land rasch zur Hochebenen-Formation, an deren hohem Ostrand sich Berge bis zu 1158 m (Mount Bruce) erheben, dann senkt sich das Land allmählich zu einer mit Gebüsch und Strauchwerk oder mit Stachelgras bedeckten, fast wasserlosen und von dürren Bergzügen durchsetzten Sandwüste. In diesem Gebiet tertiären Sandsteins giebt es zahlreiche große Salz­sümpfe, und häufig tritt hier die Fata Morgana auf und trägt dazu bei, den Wanderer zu verirren. Von den Flüssen, deren großartige Betten aber selten mit Wasser gefüllt sind und deren Mündungen gewöhnlich unzugänglich bleiben, sind von Süd nach Nord an der Westküste die nennenswertesten der Blackwood, Swcm, Murchison, Gascoyne, Ashburton, Fortescue, De Grey und Fitzroy; die südliche Küste besitzt keinerlei Flußlauf. Das Klima ist in dem fast allein bewohnten südwestlichen Teile der Kolonie warm, trocken und gesund. Klimakrankheiten kommen nicht vor, wohl aber typhöse Fieber, besonders in größeren Orten, deren sanitäre Vorrichtungen nicht mit dem Wachstum der Bevölkerung gleichen Schritt halten. Sehr lästig sind die zahlreichen Fliegen, welche selbst Netze und Schleier durch­dringen und häufig Entzündungen verursachen; doch verschwinden diese Plagegeister bei Sonnenuntergang, ebenso wie die Hitze. Die Nächte sind oft recht kühl, auf Perioden von heißen Tagen folgen solche von kühleren, und zwar mit einer derartigen Regelmäßigkeit, daß man seine Reisen danach einrichten kann. Die Pflanzenwelt zeigt in der kleinen Südwest-Ecke des Kontinents dichten Hochwalo besonders Jarrah- und Sandelholz und einen überraschenden Reichtum an Arten, während in den parkähnlichen Savannen des Nordens bereits Vertreter tropischer Flora auftreten. Die Tierwelt Westaustraliens ist dieselbe wie in Süd­australien.

Der erste Europäer, von dem wir wissen, daß er die westaustralische Küste sah, war der Portugiese Menezes, welcher 1527 die Abrolhos benannte; im Zahre 1616 fuhren Holländer in die Sharks-Bai ein und besuchten in der Nächstzeit eine Reihe weiterer Küstenpunkte, während der Engländer Dainpier 1688 und 1699 der Nordwestküste entlang segelte. 1791 entdeckte Kapitän Vancouver den King