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Australien und die Südsee an der Jahrhundertwende : Kolonialstudien / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
98
 
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Tasmanien.

Als im Jahre 1642 Anton van Diemen, Gouverneur von Holländisch-Jndien, von Batavia aus Abel Tasman mit der Aufgabe betraute, mit den beiden kleinen SchiffenHeemskirk" undZeehcm" das sagenhafteGroße Südland" zu erforschen, entdeckte dieser kühne Seefahrer die von ihm nach seinem AuftraggeberVandiemens- land" benannte Insel, welche er für einen Teil des gesuchten Kontinents hielt. Da er sich hier in Storm Ban vor seiner Weiterfahrt nach Neuseeland nur 5 Tage aufhielt, war es ihm nicht möglich, diesen Irrtum zu berichtigen, und es vergingen über 100 Jahre, ehe weitere Europäer überhaupt nach hier kamen. 1772 landete der von Mauritius kommende, auch auf der Suche nach dem Südkontinent begriffene französische Kapitän Marion de Fresne in Frederick Hendrick Ban, fand das Land und seine Einwohner aber ungastlich. Fourneaux entdeckte dann 1773 die Advcnture Ban, welche 1777 auch von Cook berührt wurde, aber erst der Admiral Brunü d'Eutrecasteaux, dessen Expedition 179293 das Schicksal des verschollenen La Pörouse erforschen sollte, fand den nach ihm benannten Kanal, den Huon- und den Derwent-Fluß auf. Im Jahre 1798 durchfuhren dann der Marinearzt Dr. Baß und der Schiffsleutnant Flinders zuerst dieBaßstraße", entdeckten Port Dalrnmple, an welchem das heutige Launceston liegt, sowie das Nordwestkap Grim, und stellten durch ihre Umfahrung den Insel-Charakter Tasmaniens fest.

Die erste europäische Kolonisation der Insel fand im Jahre 1803 dadurch statt, daß Leutnant Bowen von Neu-Südwales aus, nachdem er die Insel formell für England in Besitz genommen, in Risdon, vier Meilen flußaufwärts von dem heutigen Hobart, eine Sträflingsansiedelung anlegte und mit 16 Züchtlingen besetzte; Bomens Nachfolger, Oberst Collins, gründete im nächsten Jahre, nachdem er den Versuch, Port Phillip zu kolonisieren, aufgegeben hatte, eine Ansiedelung auf der anderen Seite des Derwent, benannte diese nach dem damaligen Kolonial­minister Hobart und landete hier 307 von England herausgebrachte Sträflinge und die dazu nötigen Beamten und Wachmannschaften. Der erste blutige Zu­sammenstoß mit den eingeborenen Schwarzen erfolgte, durch Schuld der Engländer, schon im Mai desselben Jahres, indem die englischen Soldaten, aus Furcht, oder aus Mißverständnis gegebener freundlicher Zeichen, eine mit ihren Familien auf friedlicher Känguruhjagd begriffene Horde von 50 Köpfen erschossen. Im nächsten Jahre griffen die Eingeborenen die junge Ansiedelung ihrerseits an, wurden aber zurückgeworfen, und es entspann sich nun der lang anhaltendeschwarze Krieg", welcher erst 1832 sein Ende erreichte, nachdem die Mehrzahl der bedauernswerten Eingeborenen, die man auf 45000 geschätzt hat, von den Engländern wie wilde Tiere ausgerottet worden waren.