Heft 
(2021) Bd. 18. Gotik
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Denkmalpflege in Bremen Heft 18

Jessica Hansel

Drei neue Geschichtszeugnisse der ehemaligen Bremer Wollkämmerei unter Denkmalschutz

Als ein besonders bedeutender Industriebetrieb Bremens war die in ihrer Blütezeit zu den welt­weit größten Unternehmen ihrer Art gehörende ehemalige »Bremer Woll-Kämmerei AG« (BWK) im vergangenen Jahr bereits zum wiederholten Male Gegenstand denkmalfachlicher Unter­suchungen.

Die Gründung der BWK datiert in das Jahr 1883, als Bremen noch nicht der Zollunion angehörte. Bei der Suche nach einem geeigne­ten Baugelände für die neue Industrieanlage fiel die Wahl deshalb auf die zum damaligen Zeit­punkt zu Preußen gehörige und erst 1939 nach Bremen eingemeindete Ortschaft Blumenthal. Neben den steuerlichen Vorteilen barg zudem die Lage an der Weser großes infrastrukturelles Potential, und auch die unmittelbare Nähe zu Bremen stellte einen entscheidenden Standort­vorteil dar, da die Hansestadt Ende des 19. Jahr­hunderts zu den wichtigsten deutschen Um­schlagplätzen für Rohwollimporte zählte.

Der 1883/84 auf einem 54.471 qm großen Gelände zwischen der heutigen Landrat-Chris­tians-Straße im Norden und der Weser im Sü­den errichtete Werkskomplex der BWK wurde im Laufe der Jahre kontinuierlich erweitert und ausgebaut. Er erreichte seine größte Ausdeh­nung mit rund 49 ha zu Beginn des 20. Jahr­hunderts, als sich die Fabrik zu einer der bedeu­tendsten Wollkämmereien und Woll-Wäsche- reien entwickelt hatte. Nach wirtschaftlichen Einschnitten im Laufe des Zweiten Weltkriegs konnte sich das Unternehmen in der Nach­kriegszeit unter anderem aufgrund ihres her­vorragenden Rufs in der Textilindustrie sowie durch die zusätzliche Aufnahme der Chemie­faserproduktion erfolgreich auf dem Weltmarkt rehabilitieren. Anfang der 2000er Jahre wurden

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die Herstellungsprozesse jedoch teilweise ins Ausland verlagert und das Bremer Werksgelän­de entsprechend verkleinert. Im Februar 2009 erfolgte dann die endgültige Einstellung der Produktion.

Trotz zahlreicher Abbruch- und Umbau­maßnahmen konnte der historisch besonders wertvolle Kernbestand des späten 19. Jahrhun­derts erhalten werden. Er macht den grund­legenden Produktionsablauf anschaulich nach­vollziehbar und wirkt darüber hinaus in hohem Maße ortsbildprägend. Das 2012 unter Denk­malschutz gestellte Gebäudeensemble erstreckt sich entlang der Landrat-Christians-Straße sowie zu beiden Seiten der ursprünglichen Haupt­erschließungsachse, welche bis hinunter zur Weser verläuft. Der eingetragene Bestand um- fasst verschiedenste Gebäudetypen wie Pfört­ner-, Verwaltungs-, Produktions- und Lager­bauten bis hin zu dem historischen Wasserturm der Industrieanlage. Die Gebäude werden von der staatlichen Wirtschaftsförderungsgesell- schaft Bremen vermarktet und von verschiede­nen gewerblichen Unternehmen genutzt. Für die Zukunft ist der Aufbau eines zentralen Be­rufsbildungscampus auf dem ehemaligen BWK- Gelände vorgesehen.

Vor dem Hintergrund dieser umfangreichen städtebaulichen Planungen wurde der erhaltene Gebäudebestand im Jahr 2020 noch einmal denkmalfachlich überprüft und das Gesamt­ensemble um drei Positionen ergänzt, die im Folgenden kurz vorgestellt werden sollen: Die zur ehemaligen Werksbahn gehörende Dampf­speicherlokomotive von 1921, der imposante Krempelhochbau von 1892/93 und ein Werk­statt- und Magazingebäude aus den 1930er Jahren.