Bischop - Archäologie des sogenannten Balleer'schen Hauses am Markt
Dieter Bischop
Archäologie des sogenannten Balleer'schen Hauses am Markt
Als sich im Frühjahr 2002 mit der grundlegenden Sanierung des historischen Bremer Marktplatzes eine einmalige Chance für archäologische Untersuchungen bot, kamen bedeutende Befunde für die früh- und hochmittelalterliche Entwicklungsgeschichte Bremens zutage. Sie beleuchteten schwerpunktmäßig die Frühgeschichte des Platzes, der Teil des suburbium der angrenzenden karolingischen Domburg war. An mehreren Stellen konnte zudem großflächig ein Marktplatzpflaster des 13. Jahrhunderts freigelegt werden.
Eine 7,5 mal 4 m große Fläche unweit der Nordecke des Bremer Bürgerschaftsgebäudes wurde separat untersucht (Abb. 1). Dabei konnte ein Großteil des Untergeschosses des ehemals an der Ecke Am Markt und Am Grasmarkt befindlichen sogenannten Balleer'schen Hauses erfasst werden. Dieses spätgotische Gebäude bildete im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit die Nordwestecke des halbkreisförmigen Willhadiblockes, eines nach der Willhadi- kirche benannten Häuserblockes an der Ostseite des Marktes. Zusammen mit der südöstlichen Ecke des spätmittelalterlichen Rathauses flankierte es den Eingang zum Domportalvorplatz (Abb. 2 und 3).
Das spätmittelalterliche, bis zur Traufe dreigeschossige sogenannte Balleer'sche Haus stand aufgrund seiner prominenten Lage bis zur Zerstörung immer wieder im Fokus frühneuzeitlicher Darstellungen, deren Hauptmotiv das Rathaus auf dem Markt und der Dom waren (Abb. 4). Das Haus war nach Rudolf Stein eines der prächtigsten Gebäude in Bremen überhaupt. 1
Im Laufe seiner Geschichte wurde das Haus einigen Umbauten unterzogen, darunter das Anfügen der Utluchten und darunter der An
bau an die Erdgeschossfront. Doch blieb bis zum Abriss immer der bestimmende spätgotische Charakter des Hauses erkennbar, mit dem es bis zum Jahre 1860 den Durchgang vom Markt zum Dom hin prägte.
Da die Alte Börse, im Winkel zwischen Rathaus und der Kirche Unser Lieben Frauen erbaut, dem Bedarf nicht mehr entsprach und zu klein geworden war, beschloss die erst sechs Jahre zuvor gebildete Handelskammer im Jahr 1855 einen Neubau der Börse. Als später der Entwurf des Architekten Heinrich Müller den finalen Zuschlag bekam, stand bereits als Bauplatz das Willhadiviertel, ein Areal östlich des Marktplatzes, fest. Dieser Häuserblock mit seinen 17 giebelständigen Gebäuden, dem Fleischmarkt, der Lauf- und Fleischstraße und der in der frühen Neuzeit profanierten Willhadikirche wurde in einem langwierigen Prozess von Privatleuten und vom Staat erworben. Das sogenannte Balleer'sche Haus befand sich zwar nicht direkt im eigentlichen Baufeld des zukünftigen, einige Meter zurückgesetzten Börsengebäudes, war jedoch der geplanten Gesamterweiterung der neu konzipierten Westseite des Marktplatzes im Wege. So wurde es 1859/60 bis auf die Tonnengewölbe des Kellers niedergerissen, um den Durchgang zum Dom großzügiger und wirkungsvoller zu gestalten und eine Erweiterungsmöglichkeit für den Marktplatz zu schaffen. Die Kellerwände wurden offensichtlich nicht entfernt (Abb. 5). Eine der ältesten erhaltenen Fotografien aus Bremen zeigt relativ zentral das Haus kurz vor seiner endgültigen Zerstörung (siehe Aufsatz von Schwartz in diesem Band.). Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Kellerhälse, die in den unteren Hausbereich führten, bereits durch einen die gesamte Breite des Hauses einnehmenden Riegel