Denkmalpflege in Bremen Heft 18
Jürgen Pätzold
Die Verwendung von Naturwerksteinen beim Bau des gotischen Bremer Rathauses
Naturwerksteine erfahren in der Regel keine große Beachtung, obwohl sie in zahlreichen historischen Gebäuden als Bausteine, Ornamentsteine oder für Skulpturen verwendet wurden. Die Verwendung eines bestimmten Naturwerksteines hat aber oft wichtige kulturhistorische Bedeutung und verleiht der Architektur eines Gebäudes ein charakteristisches Erscheinungsbild. In den letzten Jahren wird deshalb vermehrt versucht, den Naturwerksteinen in Welterbestätten mehr Aufmerksamkeit zu schenken (Global Heritage Stone Resource). Die Verwendung von Naturwerksteinen dokumentiert die regionale Verfügbarkeit von Baustoffen, gibt Auskunft über Handelsbeziehungen und Transportwege und hat Bedeutung für die Denkmalpflege. Das Management und die Instandhaltung von Kulturerbestätten bedürfen der Kenntnis des verwendeten Materials. Die Beschaffung von originalem Ersatzmaterial kann oft schwierig oder unmöglich sein, wenn die Herkunft des Materials in Vergessenheit geraten ist oder die historischen Steinbrüche nicht mehr im Abbau befindlich sind.
Mit diesem Beitrag soll versucht werden, die überlieferten Informationen zur Verwendung von Naturbaustoffen und Naturwerksteinen beim Bau des gotischen Rathauses zu Beginn des 15. Jahrhunderts zusammenzutragen und noch erhaltene Teile der originalen Bausubstanz zu identifizieren. Es wurde versucht, die wichtigsten verwendeten Gesteine zu bestimmen und ihre Herkunft und Transportwege aufzuzeigen. Das über 600 Jahre alte Bremer Rathaus und der Roland von Bremen wurden 2004 in die Liste der UNESCO Welterbestätten aufgenommen (Skalecki 2005).
Das mittelalterliche Rathaus
Auch wenn das Bremer Rathaus während der späten Renaissance eine erhebliche Neugestaltung erfuhr, so ist doch der dreigeschossige querrechteckige Saalgeschossbau mit Kellergewölbe (heute Ratskeller), Markthalle (Untere Rathaushalle) und Ratssaal (Obere Rathaushalle) in seinem ursprünglichen Kern noch erhalten und gut erkennbar. Im Unterschied zu anderen gotischen Bauten Norddeutschlands wurde in Bremen kein reiner Backsteinbau errichtet, sondern ein Gebäude aus einer Mischung aus Ziegelsteinen und Naturwerksteinen. Diese charakteristische Verbindung aus Ziegel- und Naturwerksteinen wurde später auch als Ziegelhausteinbau bezeichnet (Pauli 1892).
Die ältesten bekannten Darstellungen von Hogenberg aus dem Jahr 1588/1589 und Dilich 1596 und 1603 zeigen die Gestalt des gotischen Rathauses vor dem Umbau in der Renaissance. Danach hatte das mittelalterliche Rathaus zum Markt hin einen Arkadengang und 5-bogige Fenster im oberen Geschoss, kleine Ecktürmchen an den Fassadenkanten und einen Zinnenkranz vor dem Walmdach. Geschmückt wurde die Fassade durch große Figuren zwischen den Fenstern und kleinere unter den Ecktürmen sowie durch eine größere Anzahl von runden Schildern unter dem Zinnenkranz. Auf dem Marktplatz vor dem Rathaus stand der steinerne Roland.
Die wichtigste Quelle über den Bau des gotischen Rathauses ist das aus vier Einzelheften bestehende Rechnungsbuch aus den Jahren 1405 bis 1407 (Ehmck und Schumacher 1866). Darin werden alle Kosten für die Errichtung des Gebäudes während der ersten drei