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Die Arbeiterfrage in der deutschen Südsee unter Berücksichtigung der englischen Fidschi-Inseln : ein Beitrag zur Lehre von der Volkswirtschaft in tropischen Ländern / von Hugo Gördes
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I. Kapitel:

Vorrat und Beschaffung von Arbeitskräften.

Das Arbeiterelement unserer Südsee ist nun keines­wegs einheitlich, sondern ein buntes Gemisch von Leuten verschiedener Herkunft. Es setzt sich zusammen:

1. aus eingeborenen, nicht überseeischen Arbeitern, die dort Heimarbeiter genannt werden,

2. aus eingeborenen Arbeitern, die angeworben und Übersee von einem Teil des Schutzgebietes nach einem andern verbracht werden,

3. aus Arbeitern, die nicht einheimisch sind, zum Teil den Eingeborenen, zum andern den Europäern rechtlich gleichstehen.

ln Neuguinea 1 ) arbeiten die Plantagen fast lediglich mit eingeborenen Arbeitskräften (1 und 2). Von den 10982 im Jahre 1911 beschäftigten Arbeitern waren 6428 Übersee angeworben, und zwar der Hauptsache nach auf der Ga­zellenhalbinsel und im übrigen Neupommern, in Neumecklen­burg, Neuhannover, auf Kuruü, den Inseln im Osten von Neumecklenburg, Buka, Bougainville, in Friedrichwilhelms­hafen, Eitape und Morobe. 2 ) Die übrigen Arbeiter sind heimische Arbeiter; ihre Zahl nimmt relativ stärker zu als die der Übersee angeworbenen. Noch vor fünf Jahren war der Melanese für den Dienst beim Europäer nur in der Fremde zu haben; er verliess seine Heimat und ging Übersee in eine der Pflanzungen an der Blanchebucht oder der Neuguineakompagnie in Kaiser-Wilhelmsland, gern auch nach Samoa zur Deutschen Handels- und Plantagen­gesellschaft. 3 ) Heute wandert der Eingeborene weniger ab, er verdingt sich in seiner Heimat auf kurze Jurist und bebaut seine eigene Scholle.

*) Im Folgenden ist, wenn nichts anderes bemerkt, unter Neuguinea das Gouvernementsgebiet, also Festland und die dazu gehörigen Inseln, verstanden.

2 ) Amtlicher Jahresbericht über die deutschen Schutzgebiete Afrikas und der Südsce, 1911/12 S. 65.

3 ) Dr. Hahl, Ueber die Entwicklung von Neuguinea, Jahrbuch 1912 S. 170 f.