Einleitung: Die Probleme.
Wenn man bei uns von der Arbeiterfrage spricht, so denkt man in erster Linie „an das ganze Gebiet der Probleme, welche durch die Notwendigkeit der harmonischen, befriedigenden Eingliederung der Arbeiterklasse in den durch die Gewerbefreiheit geänderten gesellschaftlichen Organismus entstehen“ 1 ) — an soziale Probleme. Dass die Arbeiterfrage aber auch noch andere Probleme enthält, zeigt die sog. Landarbeiterfrage, die sich vor allem in dem Mangel an Arbeitskräften äussert.
In den primitiven Kolonien gibt es keine Arbeiterfrage, die, wie die gewerbliche Arbeiterfrage bei uns, aus der Arbeiterklasse heraus entstanden wäre. Dort besteht eine Arbeiterfrage nur vom Standpunkt des weissen Unternehmers aus; sie äussert sich in dem Mangel an Arbeitskräften überhaupt und in dem Fehlen geeigneter Arbeitskräfte. Insofern sie sich in dem absoluten Mangel äussert, ist sie ein Bevölkerungsproblem. Ist aber das Menschenmaterial vorhanden, nur nicht willens oder geeignet zur Arbeit für Fremde, dann stehen wir vor einem Problem der Erziehung.
Dazu kommt die rechtliche Regelung der farbigen Arbeit. Diese Frage wird komplizierter, wenn neben den Eingeborenen auch nicht eingeborene Farbige als Lohnarbeiter verwendet werden. Es wird dann praktisch von grösster Bedeutung sein, in welche Beziehung man diese Fremden und Eingeborenen als Arbeiter zu einander bringt, und welche rechtliche Stellung man ihnen einräumt.
Nach diesen beiden Richtungen bieten die Verhältnisse in der deutschen Südsee geradezu typische Probleme, deren Lösung von grosser praktischer Bedeutung ist, deren Betrachtung aber auch für die wissenschaftliche Kolonialpolitik besonders ergiebig sein dürfte.
') I’hilippovich, Grundriss der politischen Oekonomie Band II., 1. S. 152.