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Deutschlands Kolonien und seine Kolonialpolitik / Aufsätze erster Kolonialpolitiker ges. von Paul Helbeck-Elberfeld
Entstehung
Seite
73
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Ergebnis.

Nachdem in den vorhergehenden Aufsätzen erfahrene und anerkannte Aolonialpolitiker die Hauptprobleme der deutschen Aolonialpolitik erörtert haben, fällt mir die Aufgabe zu, in einem Schlußaufsatze die Grundzüge dieser Darlegungen noch einmal kurz zusammenzufassen, um daraus Richtlinien für ein Programm, wie wir es uns für die Aolonialpolitik eines natio­nalen Liberalismus denken, abzulenken.*)

Die wertvollsten überseeischen Aolonialländer besitzt Deutsch­land leider nicht. Wir traten erst in die Reihe der Weltmächte ein, als die besten und fruchtbarsten überseeischen Länder bereits in festen Händen waren. Immerhin brauchen aber auch unsere Aolonien, wie Moritz Schanz in seinem Aussatz über den wtrtscbaktltcben Mert unserer IkolonLen hervorhebt, einen Vergleich mit den benachbarten Aolonien anderer Mächte nicht zu scheuen. Als Siedlungsgebiete größeren Maßstabes kommen allerdings unsere Aolonien nicht in Betracht. Wir müssen daher durch eine nationale Auswanderungspolitik (Lenkung der zur Ansiedelung in unseren Aolonien nicht geeigneten Auswanderer­schaft in erster Linie in die La Plata-Staaten) und durch Pflege und Stärkung des Deutschtums im Auslande (u. a. durch Unter­stützung der deutschen Auslandsschulen) einen, wenn auch nicht vollwertigen, Ersatz für den Mangel an eignen großen Aus­wanderungsländern zu schaffen suchen. Als Lieferungsländer kolonialer Produkte (u. a. von Baumwolle, Aakao, Aautschuk, Aopra, Guttapercha, daneben Elfenbein, Nutzhölzern, Häuten,. Federn, Wolle, Erzen) können unsere Aolonien eine nicht zu unterschätzende Bedeutung erlangen und mit ihrem Wert als

*) Es konnte nicht ausbleiben, daß die veröffentlichten Aufsätze einige Meinungsverschiedenheiten ausweisen und daß die Ansichten der Herren Verfasser sich nicht in allen einzelnen Punkten mit den meinigen decken. Es wird daher in den folgenden Zeilen hier und da ein Widerspruch mit den Ausführungen des einen oder anderen der Herren Mitarbeiter zutage treten. Ich glaube aber, daß durch diese, im übrigen nicht sehr bedeut­samen Meinungsverschiedenheiten der Wert dieser Aufsatzserie nicht beein­trächtigt wird; denn es galt ja nicht, ein fertiges Rolonialprogramm auf­zustellen, sondern die Erörterung der kolonialen Probleme in der national­liberalen Jugend anzuregen. Der Entwurf eines Aolonialprogramms, mit dem wir diese Aufsatzserie beschließen, soll die Aolonialdebatte in der nationalliberalen Jugend nicht abschließen, sondern erst eröffnen.