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Deutschlands Kolonien und seine Kolonialpolitik / Aufsätze erster Kolonialpolitiker ges. von Paul Helbeck-Elberfeld
Entstehung
Seite
56
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VI.

Koloniale Verwaltungsorgan Kation.

von F. Ml off-Bremen.*)

Andern ich mich anschicke, diesen Artikel über koloniale Verwaltungsorganisation zu schreiben, fällt mir das Wort ein, das Graf Tattenbach bei Gelegenheit der LNarokkokonferenz ge­sprochen haben soll, nämlich, daß die Arbeiten der Aonferenz weit besser gefördert worden wären, wenn nicht die fresse aller beteiligten Länder so unendlich viel in den Gang der Verhand­lungen einzugreifen, und gelegentlich auch demselben vorzugreifen, bestrebt gewesen wäre.

Wer hätte als denkender Leser nicht oft den Eindruck, daß in dieser Beziehung seitens der Tagespresse viel gesündigt wird

*) Dieser Artikel wurde bereits Anfang April geschrieben und im Juli noch etwas abgeändert.

Seither ist nun die Kenntnis von allerlei gröblichen Verfehlungen höherer Kolonialbeamter in die breitere Öffentlichkeit gedrungen, oder wieder aufgewärmt worden. So der Fall Horn, Rottberg, wie auch das Gerücht, das s. Zt. beim Tode des Gouverneurs Köhler von Togo in Interessentenkreisen kursierte, daß der Gouverneur bei der Firma M. Paul - Togo und Bremen kapitalistisch inter­essiert gewesen sein solle. Alles Sachen, die Eingeweihten, und so auch mir, seit langem bekannt waren.

In den Rahmen des obigen Artikels gehören diese Vorkommnisse, weil mir die Unterlagen zu einer endgültigen Beweisführung gefehlt haben würden, nicht hinein, denn der Artikel soll ernst genommen werden und nur ernst begründete, praktische Vorschläge bringen, ohne in den Verdacht geraten zu können, Klatsch­geschichten auftischen zu wollen. Mit ihrer Kenntnis dieser von ihnen nur mangelhaft zu beweisenden Vorkommnisse aber in anderer, ungenannter Weise an die Tagespresse zwecks Veröffentlichung heranzutreten, haben sich fast sämt­liche Kamerun- und Togo-Interessenten stets geniert und konnte man sich auch, wie die Sachen in der Kolonialabteilung nun einmal lagen, wenig Nutzen davon versprechen!

Ich tue dieser Vorkommnisse auch heute nur deshalb Erwähnung, weil ich der Meinung bin und mit mir alle gut denkenden Interessenten, daß auch diese Sachen in den doch noch sehr kleinen Verhältnissen der Kolonien zum größten Teil garnicht hätten passieren können, wenn Einrichtungen zur tatkräftigen Mit. arbeit der Ansiedler und Interessenten bestanden hätten! Hätte z. B. ein heimischer Beirat der Kolonialabteilung für die Togo-Kolonie bestanden, so wären die ersten derartigen kleineren Vorkommnisse, an denen es leider nie gefehlt hat, von den Mitgliedern des Beirats in der Kolonialabteilung sicher sofort zur Sprache gebracht worden und manche späteren, gröberen Fälle wären höchstwahr­scheinlich überhaupt nicht vorgekommen.

Es muß aber auch zugegeben werden, daß die Ansiedler und Kaufleute bis zu einem gewissen Grade selbst einen Teil der moralischen Schuld an den Vor­kommnissen mittragen, indem sie Gouverneur und höheren Beamten im Interesse eines guten privaten Einvernehmens, oder zu erlangender Gouvernements­lieferungen wegen, zu sehr nachliefen, was dann bei der'ohnehin viel zu auto- kratischen Verwaltung das Selbstgefühl der Machtausübenden leicht höchst ungünstig beeinflussen mußte.