V.
Eingeboren enpolitik.
von Dr. Wilhelm Arning - Hannover.
Es ist kaum möglich, sich eine Lingeborenenpolitik vorzustellen, die auf sämtliche Rolonien paßt; dazu sind die Verhältnisse der einzelnen Gebiete viel zu verschieden, Im folgenden soll versucht werden, Grundzüge einer Eingeborenenpolitik zu geben, wie man eine solche sich in Ostafrika, dem dichtest bevölkerten unserer Schutzgebiete, vorzustellen hat. Ihre Richtlinien treffen auch für die übrigen Äolonien zu, aber die Übertragung der Einzelheiten hat nach Maßgabe der jeweiligen Verhältnisse zu erfolgen.
Jede Eingeborenenpolitik muß von dem Grundgedanken ausgehen, daß wir auf speergewonnenem Grund und Boden stehen unter einer Bevölkerung, die von uns in Sitten und Gebräuchen, in Art und Weise vollständig verschieden ist. Römer und Äelten, Franken und Aeltoromanen konnten schließlich nach langen harten Aämpfen mit einander leben und in einander aufgehen. Weiß und schwarz wird sich nie mit einander vertragen, sondern wir werden immer in der Lage sein müssen, unsere Herrschaft durch die Waffen zu stützen, um so nachdrücklicher, je mehr wir, was unvermeidbar ist, die Bevölkerung zu bewußter Bildung emporheben.
Die Aufstände der letzten Zeit müssen uns gelehrt haben, daß wir nur durch eine starke Schutztruppe und durch geschickteste Anwendung des ckeviäe et impeia unsere Stellung wahren können. Die Truppe muß nicht allein so zahlreich sein, daß sie jeder Schwierigkeit Herr werden kann, sondern so achtunggebietend, daß den Eingeborenen Aufstandsgedanken überhaupt nicht in den Sinn kommen können. Ein bestimmtes Stärkeverhältnis anzugeben, ist selbstverständlich nicht möglich, da in einigen Jahren andere Erfordernisse gestellt werden können, als es heute oder morgen der Fall ist. Unbedingt aber muß polizei- und Feldtruppe durchaus von einander getrennt gehalten werden. Die Polizei ist darauf angewiesen, intimer mit der Bevölkerung zu leben, wenn sie ihrer Aufgabe gerecht werden soll, und schon Mommsen sagt bei der Schilderung der Zustände in Syrien während der ersten Aaiserzeit: „Wo der stehenden Truppe neben ihrer nächsten Bestimmung noch die Aufgabe der Polizei zufällt, wirkt dies an sich demoralisierend, und nur zu oft wird, wo sie