I.
von Paul Hell» e ck-Elberfeld.
Aer Vertretertag der Vereine der nationalliberalen Jugend zu Stuttgart stimmte einer Resolution zu, durch welche die Vereine der nationalliberalen Jugend aufgefordert werden, koloniale Probleme in den Vereinsversammlungen zu erörtern.
Wenngleich die in der Resolution aufgestellten Forderungen, die W. Bacmeister-Elberfeld im Oktober t905 in der „Nationalliberalen Jugend" näher begründet hat, heute schon zum Teil erfüllt sind, beziehungsweise ihrer Erfüllung unmittelbar entgegengehen, so wird doch dadurch der Grundgedanke der Resolution, der nationalliberalen Jugend die Beschäftigung mit kolonialpolitischen Problemen an's Herz zu legen, in keiner Weise beeinträchtigt.
Weshalb müssen wir Iungliberalen uns mit der deutschen Aolonialpolitik beschäftigen?
Die treffendste Antwort auf diese Frage gibt uns ein Wort Bismarcks: „Eine Aolonialpolitik ist nur möglich, wenn sie von einer Mehrheit des nationalen Willens mit Entschlossenheit und Ueberzeugung getragen wird." (Bismarck im Reichstage am 2. März s 885.)
Wie weit sind wir heute noch von dieser ersten Voraussetzung einer erfolgreichen Aolonialpolitik entfernt!
Die große sozialdemokratische Partei lehnt, von einigen „Neutheoretikern" abgesehen, die Aolonialpolitik prinzipiell ab. Von den linksliberalen Parteien steht ihr nur die freisinnige Vereinigung freundlich gegenüber. Erst in jüngster Zeit gesellten sich diesen Aolonialfreunden einige Mitglieder der andern linksliberalen Parteien zu. Die regierende Partei, das Zentrum, steht unserer kolonialen Betätigung mehr als reserviert gegenüber. Aolonialfreundlich sind außer der nationalliberalen Partei und der freisinnigen Vereinigung nur die konservativen Parteien. Aber selbst in diesen Parteien ist das positive Interesse an unseren Aolonien ein recht geringes. Es sind nur wenige Abgeordnete, die sich intensiv mit den kolonialpolitischen Problemen beschäftigen. In diesem geringen Interesse selbst der Führer der prinzipiell kolonialfreundlichen Parteien spiegelt sich das allgemeine geringe Interesse wieder, mit dem die weitesten Areise unseres Volkes der Aolonialpolitik gegenüberstehen.