Verkekrspolitik in clen Kolonien. *)
von !v. von St. Paul-Illaire,
Kaiserlicher Bezirks-Amtmann a. v.
Dölker haben nationale Aolonien über 5ee begründet um Volksgenossen, welche — bei starker Bevölkerungszunahme und drohender Uebervölkerung — der Boden des Vaterlandes nicht mehr genügend zu ernähren vermochte, neue Landgebiete zur Ansiedelung und damit die Möglichkeit wirtschaftlichen Bestehens im engen Zusammenhang mit der Heimat zu schaffen,
oder um heimischen Landes- und Industrieerzeugnissen eigene, unter Umständen im Wettbewerbe mit anderen Völkern bevorzugte Märkte und Absatzgebiete zu eröffnen, besonders aber, um für den heimischen Verbrauch die Landes- Erzeugnisse und Bodenschätze, welche im Vaterlands nicht gedeihen oder vorkommen, unabhängig vom Besitze fremder Völker erzeugen oder gewinnen zu können.
Wirtschaftliche Bedürfnisse sind es also ausschließlich, die zu nationalen Aoloniegründungen geführt haben.
Die Erzielung wirtschaftlicher Vorteile, die Hebung des nationalen Wohlstandes ist der erste und wichtigste Zweck solcher Aolonien.
Für alle Maßnahmen der Regierung in den Aolonien hat daher das Interesse des kolonisierenden Volkes an erster Stelle zu stehen.
Ihm haben sich die Interessen einer eingeborenen Bevölkerung der Aolonien anzupassen, nötigenfalls unterzuordnen.
vie Glicht einer kulturellen Hebung irgena einer eingeborenen Sevöikerung bat niemals irgendwo ru nationalen Holoniegrünaungen geMrt.
solche kulturelle Hebung liegt aber im eigenen Interesse der kolonisierenden Macht, weil sie mit der Möglichkeit der gedeihlichen wirtschaftlichen Entwicklung einer Aolonie durch Erziehung der Eingeborenen zur Arbeit — wo dies nötig ist — eng zusammen hängt.
*) Anmerkung des Autors: vas Thema, dessen Erschöpfung ein Buch füllen würde, kann hier nur in großen Umrissen und vielfach fragmentarisch behandelt werden. —