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Deutscher Kolonial-Atlas : mit illustriertem Jahrbuch / bearb. von P. Sprigade und M. Moisel. Hrsg. von der Deutschen Kolonialgesellschaft
Entstehung
Seite
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Seekabel. Verkehr 1909: 1635S00 Briefsendungen, 17 L40 Postanweisungen mit 760206 M., 19629 Pakete, 213278 Zeitungsnummern, 61845 Telegramme, 486181 Gespräche. Postver­bindungen : durchschnittlich jeden siebenten Tag, Beförderungsdauer über den Suezkanal 33 bis 36 Tage, über Sibirien 15 bis 18 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 4,55 M.

Verwaltung: Sitz des Gouverneurs ist Tsingtau (bisher Vizeadmiral Truppei; zum Nachfolger ausersehen Kapitän Meyer-Waldeck). Bezirksamt Litsun.

Besatzung : 63 Offiziere und Aerzte, 1816 Unteroffiziere und Mannschaften, 62 Chinesen- (Polizei-)8oldaten.

Rückblick auf die Entwicklung des Kiautscliou-Gebiets im Jahre 1910.

Wie es von maßgebender Seite wiederholt ausgesprochen worden ist, soll unser ostasiatischer Platz an der Sonne, das Kiautschougebiet, in erster Linie ein Stützpunkt deutscher wirtschaftlicher Ausdehnung sein. Auch die Entwickelung des letzten Jahres hat sich in dieser Richtund gestaltet, und Tsingtau mit seinem Hinterland hat die seit einigen Jahren im fernen Osten herrschende und auch im Berichtsjahre noch nicht überwundene Krise und Geldknappheit besser überstanden, als Schanghai, Tientsin, Hongkong und andere Hafenplätze.

Der Handel Tsingtaus hat sich mit 65 Millionen Dollar etwa auf derselben Höhe gehalten, wie im Vorjahr; insbesondere ist es die Eingangspforte gewesen für die Einfuhr von Eisenbahnmaterialien der Eisenbahn TientsinPukou, an der die deutsche Industrie mit zahlreichen Aufträgen beteiligt ist. Von amtlicher Seite ist der Reingewinn, der hier der deutschen Volkswirtschaft zufließt, auf nicht weniger als 45 Millionen Mark berechnet worden. Über Tsingtau sind in den fünf Monaten vom 1. Mai bis 1. Oktober 1910 für rund 4 Millionen Mark Eisenbahnmaterialien eingeführt worden.

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Kaiserl. Chinesisches Seezollamt in Tsingtau.

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Die Gesamteinfuhr nicht chinesischer Waren hat mit 25,8 Millionen Dollar (zu 2.M. gerechnet) gegen das Vorjahr noch etwas zugenommen. Die wichtigsten Einfuhr­erzeugnisse sind wie bisher Anilinfarben, künstlicher Indigo, Nadeln und neuerdings auch Malz. Erheblich zurückgegangen ist die Gesamteinfuhr chinesischer Waren von 13,1 Millionen Dollar auf 9,1 Millionen Dollar. Dagegen ist die Ausfuhrziffer gestiegen um etwa 3 Millionen, auf 29,2 Dollar. Im letzten Jahr sind zum erstenmal Dampfer mit voller Pracht von Tsingtau nach europäischen Häfen abgegangen. Die Ausfuhrsteigerung ist in allen Artikeln zugute gekommen, Strohborten, Seide, Häuten, Talg, Eiprodukten, Kohlen, Erdnußöl und Bohnenöl. Was den örtlichen Verlauf der Handelskrise in Tsingtau anlangt, so wurde sie durch Opiumspekulationen sowie den Zusammenbruch einer Tschifubank, welche die Tsingtauer Kien-schun-Bank in starke Mitleidenschaft zog, erschwert. Auf der andern Seite aber trat durch den guten Ausfall der Ernte in Schantung sowie durch eine von den Gouvernements in Tsingtau undTsinanfu eingeleitete Hilfsaktion der Deutsch-Asiatischen Bank eine Erleichterung ein.

In dem den modernsten Anforderungen entsprechenden Hafen von Tsingtau entwickelt sich von Jahr zu Jahr ein lebhafterer Schiffsverkehr. Seit dem letzten Jahre laufen unsre Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd allmonatlich je einmal auf der Ausreise und Heimreise Tsingtau an. Die Einrichtung des chinesischen Seezollamts hat sich weiterhin bewährt, und seine Einnahmen sind wiederum um rund 1,2 Millionen Taels gestiegen; heute haben wir den Handel Tschifus noch um die Hälfte überflügelt.

Wie rege das wirtschaftliche Leben ist, wird auch dargetan durch den Noten­umlauf der Deutsch-Asiatischen Bank, der im Berichtsjahr auf 676 Millionen Dollar stieg.

Daß es mit Tsingtau vorwärts geht, beweist die allenthalben rege Bautätigkeit, die sich sowohl auf öffentliche wie auf private Baulichkeiten erstreckt. Dabei hat unsre Schutzgebietshauptstadt mit ihren praktischen und doch dem Auge gefälligen Privat-Baulichkeiten bahnbrechend für andre ostasiatische Orte gewirkt, die diesen Stil und unsre Bautechnik nachahmen.

Ueber die deutsch-chinesische Hochschule wird von amtlicher Stelle das folgende mitgeteilt: Unter den Hochbauteu ist vor allem das inzwischen fertiggestellte Internat für die Deutsch-chinesische Hochschule von Interesse. Es enthält in Zimmern für je