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Deutscher Kolonial-Atlas : mit illustriertem Jahrbuch / bearb. von P. Sprigade und M. Moisel. Hrsg. von der Deutschen Kolonialgesellschaft
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Landtelegraphenlinien. Verkehr 1909: 88B 600 Briefsendungen, 20824 Postanweisungen mit 2174666 Mark, 16282 Pakete, 90912 Zeitungsnummern, 24146 Telegramme, 80609 Gespräche. Postverbindungen: viermal monatlich. Beförderungsdauer Berlin-Lome 1731 Tage- Telegrammgebühr für das Wort 6,30 Mark-

Verwaltungsbezirke : Sitz des Gouverneurs (bis 1910 Graf v. Zech auf Neuhofen) ist Lome. Bezirksämter: Lome-Stadt und Lome-Land, Anecho, Misahöhe, Atakpame Kete-Kratsohi, Sokode-Bassari, Mangu-Jendi.

Deutschen Militärpersonen unterstehende Polizeitrappen befinden sich hei den Bezirksämtern Lome und Anecho (160 Farbige ohne die Polizei-Abteilungen der einzelnen Bezirksämter und Stationen).

Rückblick auf die Entwicklung des Schutzgebietes Togo im

Jahre 1909/10.

Die weiße Bevölkerung des Schutzgebietes hat sich im letzten Jahre um 42 Personen vermehrt und zählte am 1. Januar 1910 372 Personen, 306 Männer, 69 Frauen und 7 Kinder, darunter 337 Deutsche. Von den Männern sind 92 Begierungsbeamte, 60 Geistliche und Missionare, 5 Pflanzer, 63 Techniker, Bauunternehmer, Ingenieure Maschinisten, Photographen nsw., 14 Handwerker und Arbeiter, 65 Kaufieute, Händler, Gastwirte, Frachtfahrer, 1 Fischer, 2 Aerzte und 24 ohne ausgesprochenen Beruf. Alle Berufe, außer dem der Handwerker und Arbeiter haben an Zahl der Ausübenden zu­genommen. Die Zunahme der Begierungsbeamten um 15 erklärt sich aus der Trennung des Bezirksgerichts vom Bezirksamte Lome-Stadt, der Neuregelung des Kassenwesens und dem für den Bahnbau Lome-Atakpame notwendige Aufsichtspersonal.

Die Eingeborenenbevölkerung der Stadt Lome ist auch um einige hundert Seelen gewachsen.

Wenn auch die amtlichen Zahlen aller Erhebungen erst bis zum 1. April 1910 vorhanden sind, so läßt sich doch aus allen aus der Kolonie in der Heimat einge­troffenen Berichten schon jetzt feststellen, daß das ganze Jahr 1910 ein außerordentlich günstiges war. Die Ernten sind sehr gut ausgefallen und die Preise befriedigend. Auch der Kautschuk hat im Preise angezogen und die verschiedenen Handelsgesellschaften haben alle günstige Ergebnisse aufzuweisen, so daß von 6 bis 17/ 3 Prozent Dividende ausgeschüttet werden.

Eine im letzten Jahre herausgegebene Karte 1:50000 der Landschaften um den Berg Agu südöstlich Misahöhe bedeutet ein Fortschritt in der Kartographie des Landes, die auch durch zahlreiche Boutenaufnahmen des Bezirksleiters Lome-Land und durch die Arbeiten der Togo-Dahome-Grenzkommission sehr gefördert worden sind.

Die Arbeiten dieser Kommission fanden im Dezember 1909 ihren vorläufigen Ab­schluß durch Vermessung des Geländes vom 7. bis 11. Breitegrad, wo die deutsch­französische mit der deutsch-englischen Grenze zusammentrifit. Die Bestätigung muß erst durch die noch schwebenden Verhandlungen zwischen den Begierungen herbei­geführt werden.

Die Gesundheitsverhältnisse haben sich namentlich dadurch gehoben, daß die Begierung überall für besseres Trinkwasser sorgt.

An ansteckenden Krankheiten kamen vor in den Südbezirken Pocken, Aussatz und Schlafkrankheit, in den Nordbezirken Pocken und Genickstarre. An anderen Krankheiten sind bei Weißen im letzten Jahre nur 124 Malariafälle mit einem tödlichen Ausgang, vier Schwarzwasserfieber-Erkrankungen, die geheilt wurden, 20 Dysenterie- Fälle mit gutartigem Ausgang zu verzeichnen. Dagegen verlief der Typhus bei 3 Fällen zweimal tödlich.

Stellungslose Weiße dürfen das Schutzgebiet nur betreten, wenn sie 350 Mk. für die Bückreise hinterlegen und ein Barbesitz von 500 Mk. nachweisen.

Eingehende Ermittelungen haben ergeben, daß im Schutzgebiete überall noch herrenloses Land vorhanden ist, worauf die Begierung jetz ihre Hand gelegt hat Etwaige Bechte der Eingebornen sind dabei genügend berücksichtigt.

Eine eigenartige Erscheinung sind die vielen zerfallenen Häuser und Hütten in den Dörfern. JDie Eingeborenen haben die Sitte, die Toten in ihrem Hause zu begraben und dieses dann sich selbst zu überlassen; dadurch ist bei größeren Niederlassungen mindestens die Hälfte der Hütten baufällig oder liegt in Trümmern.

Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Verhältnisse des Schutzgebietes liegt noch wie vor in der landwirtschaftlichen Produktion der Eingebornen. Die Kulturen Togos sind so verschiedenartige, daß eine die andere in ihrem Erträgnisse ergänzt. So fördern z. B. regenreiche Jahre das Wachstum und den Ertrag der Oelpalme und machen dadurch wieder gut, was die Begenmengen durch Vernichtung der Maisernte geschadet haben. Auf den Oelprodukten und dem Mais beruht die Wirtschaftsbilanz Togos in erster Linie; dann kommen Kautschuk, Baumwolle und Kakao. An weiteren Kulturen sind zu nennen Kaffee, Kola, Kokospalmen, Erdnüsse, Bataten (eine Süß­kartoffel) Maniok, Yams, Beis,- Sorghum, Pennisetumhirse, Bohnen, der Schibaum für Fettgewinnung, sowie andere Fette oder Oel liefernde Pflanzen, Kapok usw.

Ferner wird in Togo die Vieh-, Pferde- und Geflügelzucht gepflegt.

Aufforstungen haben vielfach stattgefunden. Die im August 1907 begonnenen am Haho wurden fortgesetzt und neue am Mo- und Kamaaflusse begonnen. An dem Djeti-Hügel hei Glei hat der Fiskus sich die Ausbeute des dort vorkommenden Chromeisensteins durch Belegen von Schürffeldern gesichert. Aus dem fiskalischen Kalklager von Tokpli bei Anecho wurden im letzten Jahre 50 Tonnen Kalk, 60000 Mauersteine und 12000 Dachziegel hergestellt.

Die in Lome im Gefängnis im letzten Jahre eingeführte Kokosmattenflechterei verspricht beachtenswerte Ergebnisse.

Da die Angehörigen des Anecho-Stammes sehr wenig Land besitzen, haben sich diese hauptsächlich dem Handwerk zugewandt und gehen auch vielfach als Handwerker in andere Kolonien. Wir finden unter den Eingebornen Togos Tischler, Schneider, Maurer, Küfer, Maler, Gärtner, Schmiede, Drechsler, Ziegler, Lederarbeiter, Töpfer, Schlosser, Kahnhauer, Goldschmiede, Silberschmiede, Brettsäger, Schlächter, Spinner, Weber, Färber und sogar mehrere Photographen.

An dem Ausfuhrhandel über See sind beteiligt 10 deutsche, 1 englische und 1 französische Firma. Den Einfuhrhandel über See betreiben dieselben Firmen und ausserdem noch durch Vermittlung der Deutsch-Westafrikanischen Bank 2 in den Händen von Syrern und 4 von Eingebornen befindliche Firmen.

Die Einfuhr betrug im letzten Jahre 2725913 Mk., die Ausfuhr 478732 Mk.