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Deutscher Kolonial-Atlas : mit illustriertem Jahrbuch / bearb. von P. Sprigade und M. Moisel. Hrsg. von der Deutschen Kolonialgesellschaft
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und Giraffen, Raubtiere, Affen). Damaraland ist mehr für Großviehzuclit, Namaland für Kleinvieh geeignet. Ergebnisse der Viehzählung: Rindvieh 1910: 121000, 1909: 96000, 1908 : 73000, 1903 : 903S5, Fleischschafe 1910: 344000, 1909: 281000, 1908: 193000, 1903: 182541, Wollschafe 1910: 29000, 1909: 20000, 1908: 12000, 1903: 4201, Angoraziegen 1910: 5000, 1909 : 4500, 190S: 4000, 1903 : 3391, gewöhnliche Ziegen 1910: 319000, 1909: 238000, 1908, 166000, 1903: 156000, Pferde 1910: 10600, 1909: 8300, 1908: 6500, 1903: 5265; alles ohne die im Besitz der Sohutztruppe befindlichen Tiere.

Mineralien: Bei Karibib anscheinend guter Marmor. Im Otawi-Gebiet, bei Gorob und an noch einigen Stellen die Ausbeute lohnender Kupferlager. (Ziffern der Ausbeute siehe oben). Wert der 1909 verschifften Mineralien rund 21 Millionen Mark. Bei Lüderitzbucht sind in den Sanddünen der Namib seit Juli 1908 zahlreiche Diamanten gefunden worden, zumeist im Gewicht von weniger als ein Karat, aber auch bis zu drei Karat.

Handel: Eingeführt werden fast alle Gegenstände des europäischen Marktes, insbesondere Getränke, Tabak, Kaffee, Zucker, Konserven, Mehl, Reis, Bekleidungsstücke.

Ausgeführt werden Viehhäute, Rindvieh, Kleinvieh, Kupfer, Diamanten, Hörner, Straußenfedern, Harze, Gerbstoffe, Guano (Cap Cross). Werte der Ein- und Ausfuhr siehe Tabelle auf Seite 7 ff.

Verkehrswesen: Schiffsverkehr: Die Reede von Swakopmund wurde 1909 von 144 Dampfern mit 523000 Reg. Tons, der Hafen von Lüderitzbucht von 108 Dampfern mit rund 434000 Reg. Tons angelaufen. Die überwiegende Mehrheit waren Deutsche, während im Vorjahre noch nahezu ein Drittel unter englischer Flagge fuhr. Ueberfahrts- preis: Woermannlinie HamburgSwakopmund I. Klasse 602,50 M., II. Klasse 402,50 M., Zwischendeck 252,50 M.

Landverkehr: Verkehrsmittel im Innern für Personen und Frachten ist der Ochsenwagen; mit 10 bis 20 Ochsen bespannt, legt er täglich mit Lasten von 30 bis 60 Zentnern 18 bis 35 km zurück. Zwischen Swakopmund und Windhuk besteht seit Juli 1902 eine 60 cm-spurige Feldbahn (382 km). Bahn SwakopmundOtawi bis Tsumeb (570 km), im September 1906 fertiggestellt; davon abzweigend Linie OtawiGrootfontein, erbaut 1908 von der South West Africa Company, 93 km, 60 cm-Spur; wöchentlich zwei Züge; täglich ein Zug zwischen Swakopmund und Karibib, dreimal wöchentlich zwischen Usakos und Tsumeb. Strecke LüderitzbuchtKeetmanshoop seit Juli 1908 in Betrieb. Im Jahre 1908 fertiggestellt Zweigstreoke von Seeheim unweit Keetmanshoop südlich bis Kalkfontein (183 km). Vom Reichstage bewilligt 1910: Verstaatlichung der Otawibahn. Ausbau der Strecke KaribibWindhuk, Neubau der NordSüdbahn WindhukKoet- manshoop. Hier sind inzwischen von Windhuk südwärts und von Keetmanshop nord­wärts bereits Teilstrecken in Betrieb genommen. Neuerlich gelungene Transportversuche mit Kamelen und zweifelhaftere mit Kraftwagen.

Post und Telegraphie: Ende 1910: 75 Anstalten, darunter 43 mit Telographeu- betrieb und 12 mit Ortsfernsprecheinrichtungen; 1635 km Landtelegraphenlinien, 4078 km Telegraphenleitungen und 246 km Seekabel. Verkehr 1909 : 6183761 Briefsendungen 197484 Postanweisungen mit 349134S3 Mark, 91102 Pakete, 1022458 Zeitungsnummern, 379545 Telegramme, 1318132 Gespräche. Postverbindungen: fünfmal monatlich, Beför­derungsdauer 2026 Tage. Telegrammgebühr für das Wort 2,75 Marie.

Verwaltung: An der Spitze der Gouverneur (zurzeit Dr. Seitz), Sitz des Gouverne­ments: Windhuk. Das Schutzgebiet zerfällt in die Bezirke bezw. Distrikte: Keetmans­hoop, Lüderitzbucht, Maltahöhe, Warmbad, Bethanien, Gibeon, Rehoboth, Gobabis, Windhuk, Swakopmund, Karibib, Okahandja, Omaruru, Waterbörg, Grootfontein, Outjo Dazu die Residentur Caprivizipfel. Die Bergbehörde befindet sich in Windhuk. (Neue Bergverordnung seit 1. Januar 1906 in Kraft. Spätere Souderabkommen mit den einzelnen Gesellschaften). Durch Reichskanzlerverordnung vom 28. Januar 1909 ist für Deutsoh- Südwestafrika die Selbstverwaltung eingeführt worden durch Einrichtung von Gemeinde­verbänden (Windhuk Swakopmund und Lüderitzbucht, Keetmanshoop, Karibib, Omaruru, Okahandja, Tsumeb, Warmbad und Usakos), Bezirksverbähden und des Landesrats.

Rückblick auf die Entwickelung- des Schutzgebietes Deutsch- Südwestafrika im Jahre 1910.

Nach den schweren Kämpfen des Jahres 1904/07 erfreut sich das Schutzgebiet des andauernden Friedens, der auch durch einige notwendige Unternehmungen gegen farbige Aufrührerbanden im Süden nicht ernstlich bedroht werden konnte. Die Hereros verhielten sich durchaus friedfertig. Das eigentliche Ambo-Land blieb dem Verkehr aber immer noch verschlossen. Die tatkräftige Hilfe durch die Regierung während der Hungersnot 1908/09 hat den Owambos aber ein gewisses Vertrauen eingefiößt. Im Caprivizipfel wurden durch den Residenten mit den Häuptlingen Schutz Verträge abgeschlossen. Das Ver­hältnis des Residenten zu den benachbarten englischen Behörden war stets ein gutes.

Die Schutztruppe betrug nach ihrem Etat 2431 Köpfe. Sie hat in reger Weise an der Förderung des Verkehrswesens mitgewirkt. So hat sie den Oberbau der Bahnstrecke SeeheimKalkfontein verlegt. Technisch ausgebildete Offiziere haben bei der Trassen- Auswahl der NordSüdbahn mitgeholfen. Mehrere hundert Kilometer neuer Telegraphen- linien und viele Wege-Anlagen sind durch die Truppe gebaut worden. Auch an kartho- graphischen Aufnahmen ist die Truppe beteiligt gewesen.

Die weiße Zivilbevölkerung des Schutzgebietes betrug 1910 am 1. Januar 10644.

Die Zunahme gegen das Jahr vorher betrug 1234 und zwar 531 Männer, 190 Knaben, 347 Frauen und 166 Mädchen unter 15 Jahren. Unter der Zivilbevölkerung befanden sich 793o Deutsche, die übrigen sind Angehörige vieler Herren Länder. Bemerkenswert ist die Zunahme der Kolonial-Engländer, deren 1910 am 1. Januar 14S3 gezählt wurden.

Die gesamte farbige Bevölkerung des Schutzgebietes ohne das Amboland und den Caprivizipfel wird auf 68923 Köpfe geschätzt. Durch die Vorliebe der Eingeborenen für die großen Städte machte sich namentlich im Süden auf den Farmen ein Mangel an Arbeitern fühlbar.

Die Owambos sind als Farmarbeiter wenig geeignet. Sie arbeiten lieber in geschlossenen Trupps. Daher findet man sie auf den Diamantfeldern, wo sie auch besser bezahlt werden. 4422 Owambo wurden auf dem Durchmarsch in Ontjo gezählt. Zur Minenarbeit geben sich die meisten Eingeborenen nur mit "Widerwillen her.

Die zum Arbeiterschutz gegebenen Eingeborenen-Verordnungen haben sich gut bewährt. Die Eingeborenen wissen über ihre Rechte und Pflichten jetzt Bescheid.

Die Malaria, die durch das ungemein reiche Regnen des Vorjahres heftig auf­getreten war, zeigte sich auch im letzten Jahre noch häufig bei Weißen und Farbigon.