I.
Unsere Kolonien.
I)ie Kolonien vor dem Kriege.
Wir finden nicht ein Volk von Anfang der Staatenbildungen an, welches nicht seine Kraft und fein Vermögen dadurch befestigt und erhöhe hätte, daß es seine kaufmännischen Unternehmungen über seine eigenen Grenzen hinaus ausdehnte. Auch dem mittelalterlichen Deutschland haben die überseeischen Unternehmungen der Hansa Macht und Wohlstand verliehen. Und bei Spaniern und Holländern, wie bei Römern und Phoeniziern waren es zu den Zeiten der höchsten Blüte dieser Nationen die Kolonien, um die sich das Interesse des ganzen Volkes drehte. Wir Deutschen von heute sind zu der Ueberzeugung, daß auch uns Kolonien notwendig sind, leider, sehr spät gekommen. Der außerordentlich starke Bevölkerungszuwachs im Deutschen Reiche, der eine bedenklich zunehmende Auswanderung in das fremde Ausland zur Folge hatte, mag zuerst die Erkenntnis gebracht haben, daß eigene Siedlungsgebiete die natürlichen Aufnahmebecken für diesen Abfluß seien. Zugleich forderten Handel und Industrie die Gewinnung von Lebensmipteln und Rohstoffen aus eigenem Boden außerhalb des Mutterlandes, zur Nahrung und Kleidung für die einheimische Bevölkerung, wie zur Speisung unserer technischen und gewerblichen Betriebe.
Wir haben denn auch, seit einer Reihe von über zwanzig Jahren, opferwillig unvergleichlich große Mühen und Kosten aufgewendet, um Versäumtes selbst unter schwierigsten Verhältnissen nachzuholen. Die Früchte zeigten sich bald. In den neunziger