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2. Kapitel.
2. Kapitel.
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Brandenburgs Banner sollte das Meer zum ersten Male nicht unter dem Schutze Merkurs, sondern im Dienste des Mars grüßen. So wollte es das Schicksal. Die Kriegsnoth hatte den Gedanken einer Flotte zur Entstehung gebracht, und einmal gefaßt wurde er vom Großen Kurfürsten durch alle Widerwärtigkeiten hindurch mit Hohenzollern-Energie ausgeführt.
Die Geschichte der Flotte steht mit der Kolonialpolitik Brandenburg-Preußens in so engem Zusammenhange, daß wir sie nicht umgehen können, wenn wir ein vollständiges Bild von dem in seiner Art einzig dastehenden Werke Friedrich Wilhelms haben wollen. Zugleich giebt sie uns Gelegenheit, einem Manne gerecht zu werden, der in schweren Tagen ein treuer Diener des Kurfürsten gewesen ist, und der späterhin seine rechte Hand war bei allen kommerziellen und maritimen Unternehmungen; es ist dies Benjamin RauleZ Schöffe und Rath der holländischen Stadt Middelburg, der in Bezug auf sein späteres Dienstverhältniß einmal sagte: „Ich diene nur um Ehre, und um nach dem Tode einen rothen Buchstab in dem Kalender zu haben, und der trotz der hervorragenden Dienste, welche er seinem neuen Vaterlande in Krieg und Frieden geleistet, unverdient eine ungerechte Beurtheilung gefunden hat, eine Beurtheilung, die mehr beeinflußt ist durch sein unglückliches Ende und den traurigen Ausgang seiner Unternehmungen, als durch den kühnen und patriotischen Gedankenflug, der sie ins Leben gerufen hatte.
Benjamin Raule war der erste und einzige General-Direktor der Alarme, den Brandenburg-Preußen gehabt hat, und schon deshalb verdient er, daß wir uns näher mit ihm beschäftigen, und daß wir das Odium eines „Abenteurers und unredlichen, durch den Krieg zum Piraten erzogenen Bankerotteurs, dessen Eigennutz und schmutzige Gesinnung über
* So schreibt er selber ohne Ausnahme. Die damalige Zeit nahm es indeß nicht so genau damit, und daher findet sich sein Name in den verschiedensteil Varianten, wie: Rauls, Raulei, Roule, Rolle u. s. w.
- S. Urk. Th. II, Nr. 105.