Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1889)
Entstehung
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Brandenburg-Preußens KolomalpoMik.

Erster Theil.

Einleitung.

Brandenburgs Handel im 16. und bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts.

Kurbrandenburg hat im 16 . Jahrhundert unerachtet des rastlosen Eifers, mit welchem seine Fürsten Handel und Gewerbe zu fördern suchten, eine selbständige kommerzielle Bedeutung nicht gehabt und nicht gewinnen können. Schuld hieran hatte nicht minder die räumliche Trennung der einzelnen unter dem Kurscepter vereinigten Theile, * als ihre Entfernung von der See. Die erstere verhinderte die Bildung eines in sich abgeschlossenen Handelsgebietes, die letztere versagte dem Kur- fürstenthum eigene Häfen als die unbedingt nothwendiger: Abzugskanäle für seine Erzeugnisse ^ und machte den unmittelbaren Verkehr mit den fremden Nationen, Vertrautheit zur See und Theilnahme an dem Welt­handel zur Unmöglichkeit.

Brandenburg war damals nichts als ein Hinterland der Seestädte, ^ welche in selbstsüchtiger Verfolgung der eigenen Interessen unermüdlich das Ihrige dazu beitrugen, ihm diesen Charakter zu wahren.

So hatte namentlich Hamburg auf Grund angeblicher kaiserlicher Privilegien ein Stapelrecht in Anspruch genommen. Damit hinderte es die

r Ein anschauliches Bild hiervon giebt Schmoller in seinenStudien über die wirthschaftliche Politik Friedrichs des Großer:", Jahrb. für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft, Leipzig 1884, Bd. 8, S. 345 ff.

^ Die Handelsprodukte der Marken waren namentlich Getreide, Salz, Bier, Hopfen, wollene Waaren und selbst Wein. S. Gundling, Commercien in Brandenburg. Handfchriftensammlung der Kgl. Bibliothek zu Berlin, lol. 95.

2 Der Handel ging hauptsächlich nach Hamburg, Stettin, Mecklenburg, Schlesien, Polen und Rußland. S. Gundling a. a. O.

Brandenburg-Preußens Kolonialpolitik. I.

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