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Der Grundgedanke der deutschen Kolonialpolitik / Von Vosberg-Rekow
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Die Konstruktion des britischen Kolonialreiches.

Wenn es sich darum handelt, den Nachweis zu führen, dass die Leiter unserer Kolonialpolitik auf dem Wege sind, eine grundsätzlich falsche Richtung einzuschlagen, so dürfte es sich für ein so junges Kolonialreich, wie es das unserige ist, ziemen, nach berühmten Mustern Umschau zu halten. Es liegt nahe, dass wir uns die Erfahrungen zu nutze machen, welche andere Völker und Staaten vor uns auf dem gleichen Gebiete zu verzeichnen haben, und dass wir beim Studium der Kolonialgeschichte darauf merken, ob nicht Fehler gemacht worden sind, welche wir füglich ver­meiden können. Insonderheit wird es darauf ankommen, sich darüber klar zu werden, aus welchem Grunde analog geartete Kolonialreiche wieder den Weg alles Fleisches ge­gangen sind.

Die Kolonialpolitik der früheren Zeit, wie sie insonder­heit in den Spaniern und Portugiesen ihre klassischen A r er- treter gefunden hat, weist im Vergleich zur Gegenwart so grundlegende Verschiedenheiten auf, dass wir aus ihr wohl nur wenig lernen können. Was die Spanier und Portugiesen Kolonien nannten, waren für sie nicht mehr und nicht weniger als Ausbeutungs-Objekte und Objekte für die Raublust aben­teuernder Scharen, welche darauf ausgingen, alte, ihnen viel­leicht zum Teil überlegene Kulturen zu zerstören und zu plündern. Bei uns handelt es sich nicht mehr um Gebiete, deren ungeahnten Reichtum wir im Wege der brutalen Er­oberung in unseren Besitz bringen wollen. Die moderne Kolonialpolitik hat nicht zum Zwecke die Ausbeutung ihrer