V. Der Weiße in Mittelafrika.
Wenn von der Hinziehung Zehntausender Deutscher nach .Mittelafrika gesprochen wurde, so ist, wie schon die im vorhergehenden Kapitel erfolgte Bewertung Mittelafrikas als verhältnismäßig bevölkertes Land beweist, vor allem darauf gerechnet worden, daß die Deutschen die dreißig Millionen Neger Mittelafrikas für die deutsche landwirtschaftliche Erzeugung in den Tropen organisieren und ihre Arbeit auf ein großes Ziel hinleiten sollen. Das Ziel ist die Gewinnung der Rohstoffe, die uns fehlen.
Der Beweis, daß der Weiße in Mittelafrika als Beamter und Organisator leben kann, ist bereits erbracht. Wir können heute sogar behaupten: Der Weiße kann in den meisten Teilen Mittelafrikas selbst mit Frauen und Kindern ganz gut 4—5 Jahre hintereinander aushalten, und er bleibt gesund, wenn er Gelegenheit hat, alle paar Jahre im gemäßigten Klima sich wieder aufzufrischen. Es bleibt nur klarzulegen, daß Mittelafrika schnell 50000 und nach wenigen Jahren schon 100000 Deutsche aufzunehmen in der Lage ist.
Wir haben die Tropenwirtschaft unter drei Gesichtspunkten ins Auge zu fassen.
1. Gilt es, die vorhandenen Bodenschätze und Schätze der großen Wälder (Holz, Oelpalmen, Kautschuk) mit Hilfe der Neger auszubeuten;
2. ist die Förderung jener Kulturen der Eingeborenen, die Ausfuhrprodukte liefern, zu erstreben;
3. müssen wir dem europäischen Anbau in Plantagen, Mittelund Kleinwirtschaften unser Augenmerk zuwenden.
Unsere frühere Kolonialpolitik hatte sich zu festen Zielen noch nicht durchgerungen und war dazu vor allem deshalb nicht gekommen, weil unsere Kolonialwirtschaft außerhalb der heimischen stand. Wir kannten keine Begünstigung unserer eigenen kolonialen Erzeugung durch Vorzugszölle und ebenso keine Begünstigung deutscher Einfuhr in die Kolonien. Weil wir von England die offene Tür forderten, mußten wir auch in unserem Kolonialbesitz die offene Tür gewähren, und das war der Grund, daß unsere koloniale Landwirtschaft nur sehr schwer vorwärts kam und immer wieder starke Rückschläge erlitt. Es soll hier nicht einer kolonialen Schutzzollwirtschaft in der Art das Wort geredet werden, daß wir durch Einführung von Zöllen auf tropische Rohstoffeinfuhr in der Heimat und Freilassung unserer eigenen kolonialen Rohstoffe davon diese zu begünstigen suchen. Das würde auf eine Steigerung der Rohstoffpreise hinauslaufen,