I. Um die Geltung als Weltmacht.
W ir durften in den letzten dreißig Jahren vor dem Kriege zum Range einer Wirtschaftsmacht mit Weltgeltung emporsteigen. Unser Erfolg war groß; wir schrieben ihn der Schutzzollpolitik zu. Das Wesen unserer Schutzzollwirtschaft kann man kurz dahin charakterisieren, daß es im planmäßigen Verlegen der landwirtschaftlichen Produktion für unsere Industrie auf die billigen überseeischen Böden bestand. Um ein Beispiel zu geben: die Anbaufläche von Raps und Rübsen ging von 179000 Hektar im Jahre 1878 auf 31000 Hektar in 1913 zurück, die Anbaufläche von Flachs in derselben Zeit von 134000 auf knapp 15000 Hektar. Unsere Oel- und die Faser-Industrie bezogen ihr Rohmaterial aus klimatisch begünstigteren Strichen mit billigen Böden. Es wurde Grundgesetz unserer Wirtschaft, das für die Industrie benötigte Rohmaterial so billig wie möglich zu beschaffen; andererseits aber wurde die Grenze gegen alle Einfuhr für die menschlische Ernährung durch hohe Schutzzölle nach Möglichkeit gesperrt. Die Befriedigung des Nahrungsbedarfs der wachsenden Bevölkerung zu erhöhten Preisen war der deutschen Landwirtschaft Vorbehalten.
In unserer Textil- und Bekleidungsindustrie waren schon 1907 rund 2,4 Millionen Personen beschäftigt; unsere Ausfuhr von Baumwollenwaren, Wollenwaren, Kleidern und Putzwaren. Wollengarn, Baumwollengarn und Zwirn wertete 1913 rund eine Milliarde Mark. Hätte unsere eigene Landwirtschaft Wolle und Fasern erzeugen sollen, so wäre der Aufschwung unserer Textil- und Bekleidungsindustrie nicht möglich gewesen. Wir hätten Auswanderung gehabt, mehr Menschen in der Landwirtschaft und weniger in der Industrie, weniger Abnehmer für Nahrungsmittel und billige Nahrungsmittel bei niedrigen Industrielöhnen. Nun haben uns aber die Angelsachsen in steigendem Maße mit Baumwolle und Wolle versorgt. Sie sandten uns 1913 für 223 Millionen Mark Schafwolle (53 pCt. unserer Einfuhr) und für über 600 Millionen Mark Baumwolle (97 pCt. unserer gesamten Einfuhr). Die Entwicklung unserer Textil- und Bekleidungsindustrie und damit zusammenhängend auch das Wohlbefinden unserer Landwirtschaft war abhängig von den Wolle- und Baumwollelieferungen der Angelsachsen. Genau so ging es unserer elek-
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