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Deutschland nicht mehr neben sich dulden. Und jetzt heißt es: Weltmacht erkämpfen oder zur Macht dritten Ranges herabsinken. Der Kampf um die Geltung als Weltmacht ist jetzt das Ziel des Krieges.
II. Der Weg zur Weltmacht.
Die Flandern-Politiker sagen, Weltmacht könne nur durch den Besitz der flandrischen Küste errungen werden; er sei die Vorbedingung jeder gedeihlichen, von den Entschließungen Englands und Nordamerikas unabhängigen Kolonial- und Uebersee- Politik. Das mag dem kontinental gerichteten Denken zutreffend erscheinen, erweist sich aber bei tieferem Schürfen als Fehlschluß. Es soll hier nicht auf die Befürchtung eingegangen werden, daß die Angliederung von Ländern mit fremdstämmiger Bevölkerung zur Schwächung Deutschlands führen könnte, obgleich sie naheliegt. Aber diese Befürchtung wird — trotz aller Erfahrungen in den alten Grenzmarken — von weiten Kreisen nicht geteilt, also soll sie ausscheiden
Damit aber wird wohl jeder übereinstimmen, daß wirkliche Weltmacht nur behauptet werden kann: 1. durch eine starke heimische Grundlage, 2. durch starke Glieder der heimischen Wirtschaft in Uebersee, und daß 3. die heimische Stärke auf die Dauer nur durch eine gesunde wirtschaftliche Grundlage gesichert ist.
Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß Landgewinn in Litauen und Kurland nicht nur den nach dem Kriege auftretenden Landhunger befriedigen wird, sondern es wird auch die Ernährung des ganzen Volkes auf eine breitere Grundlage gestellt. Von dem übervölkerten Belgien aber ist Gleiches nicht zu erwarten; es bedeutet in der Ernährungsfrage jedenfalls keine weitere Entlastung. Doch könnte man vielleicht sagen, wir würden in den belgischen Industrien Arbeiter und Werkführer unterbringen können. Aber bedeutet dies und die etwaige reichlichere Ernährung wirklich eine Verstärkung der heimischen Grundlage? Dies scheint nur bei oberflächlicher Betrachtung so, weil wir heute, unter dem Druck der Nahrungsmittelnöte, meinen, wir würden in einem künftigen Kriege mit Kurland und Litauen gesicherter dastehen. Aber dabei vergessen wir ganz, daß unsere Lebensmittelknappheit mehr durch den Krieg an sich als durch Englands Absperrung verursacht ist. Das Entscheidende ist das Fehlen der Männer in Stadt und Land, die Verschlechterung der Bodenbestellung und