Teil eines Werkes 
Bd. 9, Text (1906) Das Deutsche Njassa- und Ruwuma-Gebiet : Land und Leute; nebst Bemerkungen über die Schire-Länder
Entstehung
Seite
533
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KAPITEL X.

Meine Rückreise auf dem Wasserwege Njassa-Sehire- Sambesi zur Küste des Indischen Ozeans.

(Hierzu Atlas Tb. no118.)

Im Januar 1900 traf der zu meiner Ablösung kommandierte Arzt, Stabsarzt Dr. Uhl, in Langenburg ein, und ich rüstete mich zum Antritt meines Heimats­urlaubes; hatte ich doch länger als ich ursprünglich dazu verpflichtet war, nämlich bereits drei volle Jahre, in Afrika zugebracht. Aber mit Freuden hatte ich mich zu längerem Verweilen am Njassa bereit erklärt, als mir im Januar 1899 vom Kaiserlichen Gouvernement der ehrenvolle Auftrag zu Teil wurde, die Fauna des Nord-Njassa-Gebietes zu untersuchen. Die reichen, vom Kuratorium der »Hermann und Elise geb. Heckmann-Wentzel-Stiftung« zur Ver­fügung gestellten Mittel, vor allem aber die vom Kaiserlichen Gouvernement mir gewährte Bewegungsfreiheit, schufen die unentbehrlichen äusseren Bedingungen zur Durchführung meiner Aufgabe; im vorhergehenden Jahre, das ich auf der Station Langenburg zugebracht hatte, waren die Umstände für wissenschaftliche Forschungen leider recht wenig günstige gewesen.

Die guten Arbeitsbedingungen des Jahres 1899 hatte ich nach Kräften aus­genützt und mehrere grössere Reisen unternommen, die mich ins Konde-Land, nach Ukinga, Ubena, Ussangu, Ussafua, Ubungu, Unjika und zum Ostufer des Njassa führten. Während ich in jenen Gegenden auf zoologischem und, soweit es meine Zeit gestattete, auch auf anthropologischem und ethnologischem Gebiete beobachtete und sammelte, hatte der Botaniker Herr Walther Goetze, den das Kuratorium der Heckmann-Wentzel-Stiftung mit der Erforschung der Flora dieser Länder betraut hatte, vor allem botanische Sammlungen angelegt und auch überall Routen-Aufnahmen ausgeführt, so dass sich unsere Arbeiten ergänzten.

Leider war es meinem lieben Freunde Goetze nicht beschieden, den Erfolg seiner unablässigen Bemühungen selbst zu ernten: im Dezember 1S99 wurde er zu Ssongwe am Njassa-Ufer inmitten seiner Arbeiten und Pläne und im vollsten Wohlbefinden plötzlich vom Schwarzwasserfieber befallen, und wenige Tage darauf verstarb der hoffnungsvolle jugendliche Forscher am 9. Dezember 1899 zu Langenburg.

Obgleich ich gleich zu Beginn seiner Krankheit zu ilim eilte, konnte ich ihn nicht retten; da eine absolute Nierenverstopfung bestand, war sein Schicksal schon vom ersten Tage seines Leidens an besiegelt.

Meine

Arbeiten am Xjassa-See.

(Walther Goetze -j\;