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Bevölkerung liegen, darf vor allem das finanzielle Moment nicht unberücksichtigt bleiben, das in der Geschichte der Bestrebungen zugunsten kolonialer Autonomie bei allen Völkern eine erhebliche Rolle gespielt hat. Solange das Mutterland einer Nation einen erheblichen Zuschuß zu den Verwaltungskosten einer Kolonie gezahlt hat, also Geldmittel aufgewandt wurden, die aus den Steuern der Bewohner der Heimat flössen, hat die betreffende Nation sich zumeist auch von dem Interesse leiten lassen, daß die Angelegenheiten der Kolonie nicht den heimatlichen Organen entzogen werden sollten. Für den weiteren Ausbau der Selbstverwaltung der Kolonien ist daher mehr oder minder bei allen Völkern die Erschließung eigener Einnahmequellen der Kolonie eine der Vorbedingungen gewesen. Ein amtliches deutsches Weißbuch hat dieses Programm in die Worte gefaßt: „Selbstverwaltung auf Grundlage der Selbsterhaltung" 1 ).
Dies führt uns zu einer — im Rahmen dieser Darstellung naturgemäß nur kurz zu gebenden —■ Betrachtung der finanziellen Beziehungen der kolonisierenden Nationen zu ihren überseeischen Besitzungen.
Das finanzielle Verhältnis zwischen dem Mutterlande und
den Kolonien.
Literatur: Die Hauptquellen bilden die alljährlich den gesetzgebenden Faktoren des Deutschen Reiches, sowie der anderen Staaten bezw. ihrer autonomen Kolonien vorgelegten Haushaltsgesetze mit den ihnen vielfach beigefügten amtlichen Denkschriften. Insbesondere vergl. die amtliche Denkschrift über „Die finanzielle Entwicklung der deutschen Schutzgebiete (ohne Kiautschou)" (1906); ■— Dernburg, Koloniale Finanzprobleme (1907); — C h o t a r d , Les rapports financiers entre la metropole et les colonies, Bericht für das Institut Colonial International, 1901. — In Betracht kommen ferner die allgemeinen kolonialpolitischen Systeme (s. Lit. zu Abschn. I), von neueren insbesondere A. Zimmermann, Kolonialpolitik Kap. XIII. (daselbst weitere Literaturangaben). ■— Zahlreiche Materien enthalten: Deutsche Kolonialzeitung; Zeitschrift für Kolonialpolitik usw.; Quinzaine coloniale und andere koloniale Zeitschriften. The Colonial Office List, The India Office List, L'Annee Coloniale u. a. m. bringen alljährliche Angaben. Übersichtliche Zusammenstellungen der Hauptziffern der Kolonialfinanzen aller Nationen bringen jedes Jahr Hüb- ner's geographisch-statistische Tabellen, das diplomatisch-statistische Jahrbuch des Gothaischen Hofkalenders sowie Statesmans Yearbook.
Die gesamte ältere Kolonialpolitik wurde von der Anschauung beherrscht, daß für den Wert von Kolonien der wichtigste Maßstab die un-
1) Denkschrift betr. die Entwicklung des Kiautschou-Gebietes 1898/1899.
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