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Australien und die Südsee an der Jahrhundertwende : Kolonialstudien / von Moritz Schanz
Entstehung
Seite
106
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Mdaustralien.

Die über Ballaarat gehende Eisenbahnfahrt zwischen Melbourne und Adelaide, 483 Meilen, nimmt 18 Stunden in Anspruch und bietet recht wenig Interessantes; die Gegend ist meist langweilig flach, die gelbe Sandsteinebene hin und wieder mit Mallee Scrub oder mit lichten Eukalypten, Kasuarinen und ein­heimischen Kiefern (^rsusla rodusta.) bestanden, und fährt man hier, wie ich, im Sommer, so findet man alles Gras verdorrt und vergilbt; wunderbar ist es allerdings, wie schon nach kurzem Regen Gras und Blumen in allerlei Farben aus dem scheinbar toten Boden hervorsprossen. Die Ansiedelungen am Wege sind nur klein und weit voneinander entfernt. Nach elfstündiger Fahrt erreicht man in früher Morgenstunde den unbedeutenden Viktoria-Grenzort Serviceton; hier braucht man, da die Spurbreite der anschließenden Bahn Südaustraliens dieselbe ist, glück­licherweise nicht umzusteigen, auch die Zoll-Kontrolle zwischen den beiden Schutzzoll­staaten ist weit milder, als dem freihändlerischen Neu-Südwales gegenüber, und so kann nach kurzem Aufenthalt die Fahrt in die Kolonie Südaustralien hinein angetreten werden.

Vier Stunden nach Passierung der Grenze überschreitet man den Murray, der auch hier, nahe seiner Mündung, im Sommer nicht imponierend ist und kaum die halbe Breite der Elbe bei Dresden übertrifft. Allmählich steigt nun die Bahn bis zu 2400 Fuß ü. M. die Mount Lofty-Kette hinan, deren abgerundete Buckel­formen mit Spuren einstiger Vergletscherung meist dicht bewaldet sind; strichweise zeigt der Eukalyptuswald Unterholz von hohen Farren und von Grasbäumen, meist aber nur niedriges Gras. Im ganzen ist die Flora Südaustraliens weit weniger artenreich, als diejenige der anderen australischen Kolonieen. Ab Station Nairne erscheinen freundliche Felder, Wein- und Obstgärten, in denen besonders Orangen und Citronen gezogen werden, und nachdem man den National-Park und des Gouverneurs Sommerwohnung Marble Hill passiert hat, bietet sich der erste Blick auf die grünen Gärten der Adelaide-Ebene, welche im Sommer gelbverbrannt, im Winter üppig grün erscheint, und darüber hinaus auf das blaue Meer. Die traterförmigen, mit Weingärten bedeckten Bergabhänge hinabfahrend, erreichen wir dann bald Adelaide, die Hauptstadt der Kolonie Südaustralien. Das dem Bahnhof gegenüber liegende Gresham Hotel ist dem älteren, früher renommierten, aber jetzt schlecht verwalteten Bork-Hotel vorzuziehen.

Zunächst seien hier wieder einige allgemeine Angaben über Südaustralien erlaubt, welches als Mittelstreifen des Kontinents diesen von Nord nach Süd, von Meer zu Meer durchquert und so an sämtliche anderen Kolonieen des Kontinents