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Kamerun : Reise in die Hinterlande der Kolonie / von Bernhard Schwarz
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Von Europa bis Kamerun.

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dernden Kunstreitertruppe anzusehen, beide deutscher Besitz, das ist das ganze New Kalabar.

Dasselbe befand sich früher weiter stromabwärts, aber das Bestreben, den Oelproducenten des Hinterlandes näher zu kommen, hat die betreffenden Kaufleute bewogen, höher flußaufwärts sich anzusiedeln. Denn der New Kalabar gehört in die erste Reihe der sogenannten Oil-River. Deßhalb haben sich einige englische Händler selbst noch zwei bis drei Stunden weiter oben, bis wohin der Strom schiffbar ist, niedergelassen.

Es währte nicht lange, so bekamen wir auch schon Besuch. Herr Kaiser erschien, der Besitzer der deutschen Factorei, ein echter Selfmademan", der früher im Dienst einer der englischen Firmen stand, sich aber dann zur Selbstständigkeit durchgearbeitet hat. Auf seine Einladung hin fuhren wir mit ihm über den ganz stillen Strom zum nahen Land, von wo wir sofort zu einer Jagd- excursion in den Wald aufbrachen, denn man hatte uns den Reich­thum desselben an Leoparden und den in ganz Westafrika zu findenden kleinen Antilopen längst aufs wärmste geschildert.

Leider erwiesen sich unsere darauf gegründeten Hoffnungen in der Folge als eitel. Wenn was noch dahin steht, denn Westafrika, das sei gleich hier bemerkt, ist im Allgemeinen ein thierarmes Gebiet wirklich jenes Wild dortselbst so zahlreich vorkommt, so ist es doch nur in der Nacht, wenn man sich auf Austand stellt, zu erlegen. Wir wurden aber für unsere Mühe, denn es war sehr dunstig im Walde und unartige Ausläufer von allerhand Bäumen zwaugen uns, bald über sie hinwegzuvoltigiren, bald unter ihnen durchzukriechen, durch die paradiesischsten Scene­rien entschädigt. Namentlich wucherten hier außer den mannig­faltigsten Palmen auch prächtige, hochstämmige Nicinusse und stolze Mahagonibäume, aus deren kostbarem Holz man in der Gegend Canoes verfertigt. In dem weichen Humusboden be­merkten wir auch zahlreiche Löcher, die von den dort sehr häufig vorkommenden Landkrabben herrührten.

Als wir mit eintretender Dämmerung in die Factorei zurück­kehrten, war der luftige Saal derselben bereits von Windlichtern