52 Im wilden Neu-Mecklenburg,
unserer Begleitung ausersehen, dazu sollten dann eingeborene Träger in den verschiedenen Dörfern zur Hilfe genommen werden. Bald war das Nötigste für unseren Marsch vorbereitet: Reis, einige wenige Konserven, Kochgeschirr, Schlafmatten und Moskitonetz, alles auf das äußerste beschränkt in Säcken untergebracht und nach Möglichkeit mit Wachstuchschutz gegen den Regen versehen.
Schwer und grau hingen die Wolken am Himmel, als wir am Dienstag, den 15. Dezember früh 5 Uhr das letzte Frühstück in Muliama nahmen, und bald darauf schritten wir mutig und etwas abschiedstraurig fort von der schönen Stätte unserer ersten Tätigkeit. Vorerst hielt sich das Wetter und war in seiner Kühle zum Marschieren gerade recht. Vor dem „Schloß Muliama" wurde noch einmal das Gepäck geprüft und richtig verteilt. Dann kam der letzte Abschied, und der quellendurchrieselte Hochwald von Piglinbui nahm uns auf. Der Weg, anfangs durch bekannte Gegenden führend, wurde bald darauf sehr beschwerlich. Hinter dem Dorfe Mau kam ein steiler Abstieg über senkrechte Felsklippen, daran starke Vaumwurzeln und Lianen den einzigen Halt boten. Unten am Meere hörte der Weg auf, und man suchte am Strande weiterzukommen, bald durch losen, groben Sand mahlend, bald über den zerrissenen, schlüpfrigen Korallenboden, dessen Spitzigkeit und Härte ich schon bei Maron beschrieb. Zum Glück hatten wir Nieorigwasser, so daß wir die Korallen leidlich trocken passieren konnten, bei Flutzeit hätte das Meer uns durchnäßt, das Land läßt sonst keinen Weg frei, so nahe treten die Strandfelsen heran ans Meer. Für die Mühen dieser Wanderung entschädigte die wundervoll großartige Natur. Landeinwärts das felsige Tropenland mit uralten, mächtigen Bäumen und verworrenem Dickicht, seewärts unter dem düsteren Himmel eine hohe, tosende Brandung ganz nahe der Küste. Der Korallenboden war vom Wasser sehr zerfressen, tiefe Abflußkanäle ließen das aufs Riff geworfene Wasser zurückfließen, Spritzlöcher mit unterseeischem Zugang waren da, aus denen von Zeit zu Zeit eine weiß dampfende Eischtsäule hochschoß. Am Lande, neben den riesigen Callophvllumbäumen, oft geheimnisvolle, dunkle Höhlen, darüber in dichter Fülle das weiche Grün des Pflanzenwuchses hing.