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V.
Vom Kilimandscharo zur Küste.
Vom Kilimandscharo nach Taweta zurückgekehrt, machten wir einen mehrtägigen Jagdausflug nach dem südlich von Taweta gelegenen Dschipesee (s. Bilder Nr. 27 u. 28), an dessen Ufern und angrenzenden Baumsteppen der Wildreichtum ein enormer ist. Was Afrika an großem Wild aufzuweisen hat, das kommt dem Jäger dort zum Schufs: Antilopen, Zebras, Wildesel, Straufse, Rhinozerosse u. a. Im See leben Scharen von Flufspferdcn und Krokodilen, und nachts hatten wir im Lager am See regclmäfsig das schönste Konzert von Nilpferdgrunzen auf der Wasserseite und von Schakal-, Leoparden- und Löwengebrüll auf der Landseite. Ganz unerwarteter Weise traf uns dort eine von Pangani kommende Expedition der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft. Dieselbe hatte den Auftrag, im Dschaggaland eine Station zu errichten, und mein bisheriger Reisegenosse erhielt die Weisung, sich dieser Expedition anzuschliefscn. Nach kurzem genufsreichen Zusammensein mit den deutschen Landsleuten trennten wir uns. Die Expedition reiste ihrem Ziel Madschame, an der Westseite des Kilimandscharo, zu, und ich brach mit meiner Karawane in westlicher Richtung nach den Landschaften Kahe und Aruscha, südlich vom Kilimandscharo, auf.
Südlich vom Kilimandscharo, den Kilimandscharo im N., die Uguenoberge im 0. und den Pangani- flufs im S., hat das Land im allgemeinen denselben Vegetationscharakter wie die Savanne um Taweta. Einen erheblichen Unterschied im geographischen Bild verursachen aber einerseits die Häufigkeit kleiner vulkanischer Kegel, anderseits der Reichtum an fliefsenden Gewässern, die alle vom Kilimandscharo herabkommen und sich weiterhin zum Rufu oder Panganiflufs vereinigen. Trotz dieses Wasserreichtums hat die Savanne nur im engsten Bereich der Bäche reichere Vegetation, im ganzen bewahrt sie ihren Charakter als echte Savanne mit hartem, offenem Graswuchs und nur wenigen zerstreuten Adansonien, Mimosen und Akazien. Bewohnt ist sie nur in den kleinen Landschaften Kahe und Aruscha, deren jede in einer Gabel zwischen zwei Flüfschen liegt. Die Bewohner sind Wakuafi, Teile jener Stämme, die ehedem wohl als Nomaden das ganze westlich vom Kilimandscharo gelegene Gebiet besessen haben, dann aber, von den vordringenden Massai zersprengt, sich in die unzugänglichem Walddickichte zurückzogen, wo sie nun, wie in Taweta, Kahe, Aruscha, sefshaft geworden und zum Ackerbau übergegangen sind. Aus Furcht vor den Massai halten sie kein Vieh, um diese gefürchteten Viehräuber nicht anzulocken, und deshalb ist beispielsweise in Taweta nicht ein einziges Stück Fleisch zu bekommen. Während aber die Wakuafi in Aruscha wegen der unmittelbaren Nähe der Massai in Abhängigkeit von den letztern stehen, haben sich die entfernter wohnenden Kahe- und Tawetaleute stets der Massai zu erwehren gewufst. Auch Mandara, der seine Raubzüge oder, wie er es selbst nennt, Tributzüge bis weit in die Ugueno- und Pareberge ausdehnt, respektiert stets die seinem Land doch so nahe gelegene Landschaft Kahe. In zwei Tagen hatte ich Kahe von Taweta aus erreicht, wurde aber, da man meinen friedlichen Absichten nicht traute, nur zum Lagerplatz am äufsern Waldrand zugelassen und zog deshalb alsbald weiter nach Aruscha. Da wir uns nur unzureichend hatten verpflegen können, kam uns der unglaubliche Wildreichtum in dieser Steppe sehr zu statten. Frisches Fleisch hatte ich stets für die ganze Karawane vollauf. In Aruscha selbst, wo, wie in Taweta und Kahe, die Hütten und Maispflanzungen der Wakuafi weit im Wald zerstreut sind, bezog ich den Lagerplatz, der durch die Anwesenheit v. d. Deckens und Dr. Fischers für Afrikareisende historisch geworden ist; und Fischers Route ist es, die ich von hier ab am Panganiflufs entlang bis zur Küste verfolgte.
Wenn ich gehofft hatte, nach den Wanderungen durch die erwähnten Savannen in der Flufsebene der Pangani etwas Abwechselung in der Vegetation zu finden, so sah ich mich leider sehr getäuscht. Im Gegenteil ist diese weite Ebene, die sich bis nach Usambara hinabzieht, die sterilste sonnenverbrannte Steppe, welche ich je durchwandert habe (s. Bild Nr. 29). Während der Regenzeit ist sie wohl bedeckt mit einem grünen Überzug harter Gräser, aber jetzt war nur die Vegetation in unmittelbarster Nähe des Flusses noch lebendig, im übrigen war das Land teilweise ein wahres Leichenfeld der Vegetation. Aber gerade wegen des schmalen immergrünen Grasstreifens an den Ufern des Rufu wird diese Ebene in den Sommermonaten von Massaihorden durchschwärmt, die ihre Rinderherden aus den vertrockneten Hochebenen hierher zur Weide an das Flufsufer bringen. Aus Furcht vor ihnen ist das ganze Land bis nach Usambara hin-