Vorwort
Wohl auf keinem andern Gebiet menschlicher Thätigkeit ist dem Mann so vielseitige Gelegenheit zur Entfaltung und Erprobung seiner Kräfte und Fähigkeiten geboten wie auf Forschungsreisen in unbekannten Ländern; nirgends aber mehr als im Innern von Afrika.
Die riesigen Gröfsenverhältnisse des dunkeln Erdteiles, die Schädlichkeit seines Klimas, die Schwierigkeit seiner Wege, die Feindseligkeit seiner Bewohner gegen alles Fremde, die Unzulänglichkeit der Ernährungsverhältnisse, der vollständige Mangel jeden Anklanges an Kultur machen es unbedingt notwendig, dafs der Reisende eine um so gröfsere Trägerkarawane zur Beförderung seiner wissenschaftlichen und persönlichen Ausrüstung und eine um so gröfsere Menge von Tauschwaren zur Ernährung seiner Karawane mitnehme, je länger die Expedition dauert, und je weiter sie ins Innere vordringt.
Eine zusammengewürfelte Horde von hundert und mehr Negern im Zaum zu halten, sie täglich zu ernähren, Kranke ärztlich zu behandeln, Widerspenstigkeit zu überwinden, Streit zu schlichten und stets die richtige Mitte zwischen Milde und Strenge in der Behandlung einzuhalten, ist an und für sich schon nicht ganz leicht. Noch weniger leicht ist der vermittelnde Verkehr mit den Landeseingebornen. Und dazu kommt die Fürsorge für das eigne Wohlergehen, für Gepäck und Lager, die tägliche Übung jeder denkbaren technischen Fertigkeit und endlich die Verfolgung des eigentlichen Reisezweckes: die Ausführung von wissenschaftlichen Beobachtungen und die Anlage von wissenschaftlichen Sammlungen jeglicher Beschaffenheit und von gröfst- möglichem Umfang.
Die Schwierigkeit dieser Aufgaben vermindert sich natürlich erheblich, wenn sich mehrere Reisende zu einer gemeinsamen Lösung derselben vereinen. Daher ist eine solche Vereinigung dem Endzweck stets dienlich, wenn auch damit leicht Schwierigkeiten besonderer Art entstehen, welche das Unternehmen in andrer Hinsicht schädlich beeinflussen können. Aber auch bei gemeinsamem Arbeiten ist die Fülle der Obliegen-