deckung bestätigt, und wiederum war es ein Deutscher, der Baron Klaus v. d. Decken, welcher zuerst den Versuch machte, dem stolzen afrikanischen Bergriesen seinen Fufs auf den weifsen Nacken zu setzen. Bei einem Versuch blieb es aber und ist es auch seitdem trotz mehrfacher Anstrengungen, besonders seitens englischer Reisender, geblieben. Es gelang mir zwar, im Sommer v. J. den höchsten der beiden Gipfel, den Kibo, bis hart an den östlichen Oberrand des schneeigen Vulkankegels zu besteigen; aber der um ca. 250 m höhere Westrand ist noch unbezwungen.
v. d. Decken war im Jahre 1861 bis zur Höhe von 2530 m gelangt. Im folgenden Jahre erreichte er gemeinsam mit Karsten und Thornton einen 4280 m hohen Punkt. Im Jahre 1871 drang der englische Missionar New bis zu 4420 m (?) vor, 1883 der Massai-Reisende Thomson nur bis zu 2750 m und 1884 Johnston angeblich bis zu 4970 m. Die höchste Erhebung des Kibo-Westrandes liegt aber nach Kerstens genauer Messung in 5694 m Höhe über dem Meeresspiegel.
Der Ansporn, zu vollbringen, was da noch übriggeblieben, war um so gröfser, als in dem Londoner Abkommen zwischen England und Deutschland der Kilimandscharo in die deutsche Interessensphäre einbezogen worden war. Der Wunsch, dafs die höchste Spitze deutscher Erde zuerst von einem deutschen Fufs betreten werden möge, liefs meinen Entschlufs, dort mein Bestes zu versuchen, rasch ausreifen.
Ich war, als ich den Plan zur Bereisung Ostafrikas, fafste, kein Neuling im Reisen. Mehrere Jahre vorher hatte ich die englischen" Kolonien in Indien,' China und Nordamerika, die holländischen Kolonien im Sunda- Archipel, die spanischen Kolonien in den Philippinen und Mittelamerika besucht und durfte deshalb auch hoffen, auf Grund der dort gewonnenen Anschauungen Ostafrika als Kolonie richtiger beurteilen zu können als Reisende ohne derartige koloniale Erfahrungen. Ich verhehlte mir aber nicht, dafs zur rechten Wertschätzung Ostafrikas eine Kenntnis andrer afrikanischer Gebiete, insbesondere Südafrikas, wichtig sei. Deshalb richtete ich meine Route von Europa zunächst nach dem Kapland, bereiste von dort nordwärts die Diamantenfelder von Kimberley, durchkreuzte Transvaal, besuchte die neuerschlossenen Goldfelder von Barberton und gelangte nach mehrfachem Durchstreifen von Natal in Port Durban an die Küste des Indischen Ozeans, auf dem ich an der langgestreckten portugiesischen Mosambik-Kolonie entlang nach Norden reiste, bis ich im April 1887 die Insel Sansibar erreichte.
Kaum hätte ich zu einer ungünstigem Zeit in Sansibar eintreffen und kaum unter mifslichern Verhältnissen meine Expedition ins Inland vorbereiten können. Die Regenzeit hatte eingesetzt und verhinderte alle Bewegung im Freien. Drei Monate vor meiner Ankunft hatte Stanley für seinen Zug nach Wadelai sich mit über 700 Trägern hier versorgt, einen Monat vor meinem Eintreffen "war der ungarische Reisende Graf Teleki mit einer Expedition von 300 Sansibarleuten nach dem Kilimandscharogebiet aufgebrochen, mehrere Araberkarawanen waren in Vorbereitung, eine englische Jagdpartie hatte den letzten Rest von brauchbaren Leuten engagiert, und .der Beschaffung der nötigsten Ausrüstung für eine Reise ins Innere stellten sich die gröfsten Hindernisse entgegen. Die Überwindung dieser Mifslichkeiten nahm meine ganze Thätigkeit während voller zwei Monate in Anspruch, und dazu kam, dafs mich schliefslich noch ein heftiges Fieber drei Wochen lang zu allem Handeln unfähig machte. Eine weitere Schwierigkeit lag in der Unmöglichkeit, einen geeigneten europäischen Begleiter zu finden, dessen ich durchaus bedurfte, um die Schneegrenze am Kilimandscharo zu überschreiten. Glücklicherweise traf Ende Mai Dr. Peters mit einer gröfsern Anzahl deutscher Herren ein, und seiner Liebenswürdigkeit habe ich es zu verdanken, dafs mir ein Beamter der Ostafrikanischen Gesellschaft, Freiherr von Eberstein, mit Aufträgen für den Dschaggafürsten Mandara beigesellt wurde, so dafs ich in der ersten Juniwoche, nachdrücklich gefördert durch Herrn J. Strandes vom Hause Hansing & Co., mit einer Karawane von nahezu 100 Mann nach dem Festland aufbrechen konnte.
II.
In Englisch - Ostafrika.
In Mombassa, dem gröfsten und besten Hafen der englischen ostafrikanischen Interessensphäre, beginnend, führte meine Reise bis nach Taweta am Fufs des Kilimandscharo durch englisches Gebiet. Die Zusammensetzung meiner Karawane, die Art der Ausrüstung, die Ordnung während des Marsches, das Leben im Lager unterschieden sich wenig von den entsprechenden Verhältnissen in andern Expeditionen. Die Regenzeit hatte in diesem Gebiet noch nicht begonnen, so dafs die Karawane von Sonnenbrand und Wassermangel viel zu leiden hatte.