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Was soll nach dem Kriege aus den zwei Millionen unserer deutschen Brüder in Russland werden? / Eine Denkschrift von Carl Cesar Eiffe
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I. Sie Halten.

Die Balten sind durch ihren siebenhundertjährigen Kampf für das Deutschtum und durch ihre Eigenart die richtigen Elemente, um den Grenzschutz gegen russische Unkultur zu übernehmen. Die­ser Kampf und die Tatsache, daß diese kleine Oberschicht dem ganzen Lande deutsches Gepräge verliehen hat, gegenüber einer Bauernbevölkerung, die einer fremden und niedrigeren Rasse an­gehört, hat im Balten das Herrenbewußtsein scharf entwickelt und bis zur Stunde erhalten.

Die Kenntnisnahme der folgenden knappen Darstellung von Geschichte und Entwicklung der Balten wird auch denjenigen ihre Eigenart in einem anderen und wahrhafteren Licht sehen lassen, der in seiner bisherigen vagen Vorstellung imbaltischen Baron" einen Ausbeuter und Unterdrücker des Letten und Esten sah.

Etwa im zehnten Jahrhundert vertrieben die heidnischen Letten und Esten die ältere Bevölkerung jener Gegenden, die wir heute die Gstseeprovinzen nennen. Letten und Esten sind also keineswegs die Urbevölkerung, wie so oft behauptet wird. Die Kolonisation dieser Vstkusie des baltischen Meeres durch deutsches volkstum erfolgte dann in der Hauptsache etwa in den Iahren MVl.2Z6.

Das Bedürfnis nach wirtschaftlicher Ausdehnung trieb hansi­sche Raufleute gen Osten und führte schon damals zur Gründung der Städte: Riga, Wenden, pernau, Dorpat, Neval, Narva und Arensburg auf der Insel Vsel. Und Scharen niederdeutscher Pilger, vor allem aber auch die jüngeren Söhne des eingesessenen Adels namentlich des westfälischen schifften sich in den deut­schen Seestädten zur Kreuzfahrt nach Livland ein. Hatte doch der Oapst einem jeden Kreuzfahrer Ablaß versprochen.

In dieser Zeit wurde das Land von der Mün­dung der Ulemel bis zur Mündung der Narva dem Christentum unterworfen. Hier herrschte der vom liv- ländischen Bischof Albert gegründete Schwertbruderorden. Doch war er zu schwach, um die Lande gegen die Russen, wie gegen die damals mächtig aufstrebenden Littauer zu sichern. Er unterlag den letzteren. Seine Neste gingen in dem von Hermann von Salza geführten Deutsch-Grden auf. So zeigte sich schon gleich im ersten Jahrhundert seines Bestehens die Tragik