Teil eines Werkes 
2 (1897) Die Insel Sansibar und ihre kleineren Nachbarinseln : mit 1 Original-Kt. der Insel und 1 Pl. der Stadt Sansibar / von Oscar Baumann
Entstehung
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Dem Fischfang widmen sich alle Bewohner der Küstendörfer, hauptsächlich in Canoes mit Ausliegern; mit besonderem Eifer und Erfolg die- Wahadimu der Ostküste. Diese ist viel fischreicher als die Westküste, und Fische und andere Seetiere werden quer durch die Insel nach der Stadt zum Verkauf gebracht. An Ziermuscheln besteht ein nicht unbedeutender Export; Schildpatt wird an den Küsten der Insel gewonnen, dagegen fast keine Perlmutter.

V.

Die Stadt Sansibar, von den Eingeborenen Mji ya Unguja genannt, nimmt eine dreieckige Landzunge an der Westküste der Insel ein, die durch einen schmalen, sandigen Landstreifen mit dem Haupteiland verbunden ist. Sie umschliefst mit diesem eine seichte Lagune, das sogenannte Pwani ndogo (kleiner Strand), die zur Ebbe trocken fällt. Jenseits der Lagune dehnt sich das Negerviertel Ngambo aus. Hinter diesem, von der Dobi-Wiese im Norden bis zur Mission Kiungani im Süden verlaufend, zieht sich eine zweite durch sumpfige Stellen bezeichnete Senkung, die den Verlauf einer früheren Lagune erkennen läfst.

Die Stadt hat kein so hohes Alter, wie ihr vielfach beigemessen wurde. Nach der Tradition waren es Neger vom Stamme der Walekwa, die bei Eas Shangani, etwa in der Gegend des jetzigen englischen Konsulates, ein Dorf anlegten. Die Städte auf Sansibar, die die Portugiesen dort antrafen, lagen sehr wahrscheinlich nicht an der Stelle der heutigen Stadt, sondern bei Kizimkazi und Mkokotoni. Ersterer Ort bildete auch Jahrzehnte hindurch die Residenz der Schechs von Sansibar, deren Nachkommen mit dem Titel Munyimkuu in Dunga als Wahadimu-Häuptlinge safsen.

Mit dem Beginn der Herrschaft der Maskater Imams über die Insel wurde das heutige Sansibar der Hauptort. Ihr Statthalter Abdallah bin Jumah, ein Swahili aus Chole (Mafia), erweiterte das schon früher vorhandene kleine Fort zu der Feste, die heute noch als Guereza ein Wahrzeichen der Stadt bildet. Durch die Einfälle der Sakalaven in Chole (Mafia), der Galla in Malindi und im Lamu-Gebiet wurden viele Swahili veranlal'st, nach Sansibar auszuwandern, und die Stadt wuchs dadurch an. Dennoch bildete sie, als Seyid Said bin Sultan 1822 eintraf, nur ein Gewirr von Lehmhütten, aus welchem das Fort und Zollhaus als einzige Steingebäude hervorragten. An Steinmoscheen war nur die kleine Jamii in Shangani, deren Ruine heute noch er­halten ist, und die Maskiti ya Jumah, die ursprüngliche, später er­weiterte Sultansmoschee unweit des Forts, vorhanden.