Teil eines Werkes 
2 (1897) Die Insel Sansibar und ihre kleineren Nachbarinseln : mit 1 Original-Kt. der Insel und 1 Pl. der Stadt Sansibar / von Oscar Baumann
Entstehung
Seite
11
Einzelbild herunterladen
 

49]

11

des Seyid Chalid bin Bargash und dem Bombardement des Palastes durch englische Kriegsschiffe am 27. August 1896 gipfelten, scheint es, als ob England einen direkten Einfiufs auf die Verwaltung Sansibars nehmen wollte. Dem Sultan ist ein aus englischen Beamten gebildetes Gouvernement beigegeben, das die Polizei-, Zoll-, Hafen- und Bau­angelegenheiten besorgt und die amtlicheZanzibar-Gazette" heraus- giebt. Die Polizeitruppe besteht aus ca. 600 Mann schwarzer Infanterie unter dem Befehl eines englischen Offiziers.

II.

Die Insel Sansibar hat eine unregelmäl'sig oblonge Gestalt mit einer ungefähr NNWSSO verlaufenden Hauptrichtung. Ihre gröfste Länge von Ras Nungwe bis Ras Kisimkazi mil'st 86,5 Kilometer, die gröfste Breite, einer meridionalen Linie von Chukwani nach der Ostküste entsprechend, 37,5 Kilometer; der Flächeninhalt von Sansibar mit den unmittelbar anliegenden Küsteninseln beträgt 1522 Quadratkilometer, die Insel ist also etwas gröfser als das Herzogtum Sachsen-Altenburg

Sansibar mufs als eine Koralleninsel bezeichnet werden. Zwar finden sich an verschiedenen Stellen ältere Kalke, doch reicht deren Alter nicht über die Tertiärzeit hinaus; sie sind jedenfalls der Überrest eines alten Wallriffes der afrikanischen Küste, das den Kern zu weiteren Korallenbauten in recenter Zeit bildete. Solche älteren Kalke finden sich im Norden der Insel bei Mkokotoni und wurden von Stuhlmann am Grunde eines Brunnens auf Tumbatu nach­gewiesen; ferner kommen sie zwischen Mzini und der Ostküste, am Hatajwahügel, bei Pete vor, und dürften noch an andern Stellen im Liegenden vorhanden sein. An der Küste tritt häufig Kalksandstein auf; andere Gesteine als Kalke und deren Verwitterungsprodukte finden sich nirgends.

Es ist wahrscheinlich, dafs Sansibar ursprünglich aus zwei, viel­leicht selbst aus drei gröfseren Eilanden bestanden hat, die durch Meeresstrafsen von einander getrennt waren. Der Verlauf einer dieser Meeresstrafsen ist noch sehr deutlich durch die vielfach versumpfte Senkung bezeichnet, die von der Chwakabucht ununterbrochen bis zum TJzi-Kanal reicht und beiderseits in tiefeinschneidende, seichte Meeresarme ausgeht. Eine andere, weniger scharf ausgeprägte, aber doch deutlich wahrnehmbare Senkungslinie zieht sich in meridionaler

1 Die von Behm und Wagner angegebene Zahl von 1591 qklm. beruht auf der Ausmessung einer älteren Seekarte, die in der Fläche neunmal kleiner ist als die neue Seekarte, welche der diesem Band beigehefteten Karte zu Grunde liegt.