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Es ist begreiflich, dafs ein solcher Dhauverkehr an einem von jedem Zollamt gänzlich abgelegenen Ort den Schmuggel begünstigen mufs. Dieser Umstand, sowie die vielen Vorteile, welche Kisimani gegen Chole bietet, liefsen die Frage schon mehrfach anregen, ob die Verlegung des Zollamts von Chole nach Kisimani nicht praktisch wäre. Das einzige, was man gegen Kisimani einwenden kann, ist, dafs Dampfer der grofsen Wassertiefe halber dort nicht ankern können. Aber selbst wenn man wirklich bei näherer Untersuchung keinen Ankerplatz vor Kisimani finden sollte, ist es doch immer besser, dafs die Dampfer vor dem kleinen Zollamt unter Dampf anhalten müssen, als wenn sie, wie bei Chole, überhaupt gar nicht dahin gelangen können. Die Verlegung des Zollamtes von Chole nach Kisimani wäre daher in jeder Hinsieht empfehlenswert. Die Frage, ob der Handel von Chole sich dann nach Kisimani verlegen wird — was übrigens wahrscheinlich ist — ist dabei nebensächlich. Denn, da die Osteinfahrt der Chole-Bai für Segelschiffe der Eingeborenen gänzlich unzugänglich ist, so mufs doch der ganze Schiffsverkehr von Chole unbedingt bei Kisimani vorbeikommen.
V.
Gegenüber Kisimani Mafia und zwischen diesem Kap und dem Festlande liegt die Insel Bwejuu (das Boydu der Seekarte). Dieselbe ist eine langgestreckte ostwestlieh verlaufende Sandbank, die von Dünenwällen durchzogen ist und nur an der Westküste Spuren von Koralleukalk zeigt. Sie ist mit hohen Kasuarinen bedeckt, in deren Zweigen verwilderte Haushühner leben. Auch Ratten giebt es zahlreich auf Bwejuu. An der Ostseite liegt ein Fischerdorf mit ca. 30 Hütten zwischen einigen Kokospalmen, die jedoch nur schlecht gedeihen.
Die Insel war wohl von jeher zeitweilig bewohnt, eine ständige Ansiedlung besteht aber erst seit ca. 10 Jahren, wo einige Suri-Araber sich dort niederliefsen und den Brunnen gruben, der brackiges, aber geniefsbares Wasser liefert. Sonst haust noch allerlei Swahili-Volk auf dieser einsamen Sandbank. Alle Bewohner leben vom Fischfang, den sie in grofsen und kleinen Fahrzeugen mit Netzen, Angeln und Reusen betreiben, die sie auf dem Riff bei der Insel anbringen. Die gefangenen Fische trocknen sie im Dorf, das wahrhaft höllische Düfte von Haifischthran und trockenen Fischen ausstrahlt. Daneben treiben sie noch Ackerbau, pflanzen etwas Mais, Sorghum, Tomaten, Hülsenfrüchte und Eierfrucht. Maniok und süfse Kartoffeln gedeihen