Teil eines Werkes 
1 (1896) Die Insel Mafia und ihre kleineren Nachbarinseln : mit 1. Orig,-Kt.
Entstehung
Seite
22
Einzelbild herunterladen
 

22

Es ergiebt sich demnach ein Überschui's von 22000 Rps. der Ausfuhr über die Einfuhr. Man ersieht ferner aus dieser Liste, dafs nahezu der Gesamthandel Mafias sich über Sansibar bewegt, und dafs die Insel mit Deutsch-Ostafrika wirtschaftlich kaum im Zusammen­hang steht. Der Vorgang ist derart, dafs die Landesprodukte, haupt­sächlich Kokosnüsse und Matten, in Mafia selbst an die Inder ver­kauft werden, welche dieselben nach Sansibar führen. Die Kokos­nüsse gehen von dort als Kopra nach Europa, die Matten werden teils im Lande verbraucht, teils nach der Somali-Küste, nach Arabien oder Indien exportiert. Nur sehr wenige Produzenten bringen ihre Produkte selbst auf den Sansibarer Markt.

Dadurch fällt der Löwenanteil des Gewinnes den Indern zu, die fast nichts im Lande verzehren, ihre Überschüsse regelmäfsig nach Indien schicken und, sobald sie genügend verdient haben, nach der Heimat zurückkehren. Europäische Unternehmungen sind in Mafia in keiner Weise beteiligt.

IV.

Der Mittelpunkt des Handels, die einzige gröfsere Niederlassung der Insel istChole. Der Ort liegt auf dem gleichnamigen Inselchen, das den blauen, von Segelbooten durchfurchten Fluten der Chole-Bai entsteigt und mit seinen saftig grünen Mangos, abenteuerlichen Affen­brotbäumen und den zahlreichen schlanken Kokospalmen von weitem einen reizenden Eindruck macht. Der Ort hat höchstens 2000 Ein­wohner, deren Hütten über das Inselchen verstreut und vielfach von Feldern und prachtvollen Mangohainen unterbrochen sind. Am dichtesten liegen die Hütten am Nordende der Insel, wo sich das massive deutsche Zollhaus, ein recht ansehnliches Gebäude, erhebt, in dem der Beamte als einziger Europäer ein einsames und doch be­neidenswertes Dasein führt. In der Stadt herrschen Lehmhütten mit Palmblattdächern vor, vereinzelt sind Steinhäuser, die jedoch ebenfalls Blätterdächer haben, da flache Dächer in Mafia als ungesund gelten. Der arabische Akida, einer jener lächerlichenReform-Araber", die den preufsischen Unteroffizier womöglich noch übertrumpfen möchten, dabei aber meist noch gröfsere Schufte sind als ihre un­verfälschten Landsleute, hat sich in blindem Eifer alle Mühe gegeben, den reizenden Ort Chole durchVerschönerungen" zu verunstalten. Er legte mächtig breite, sich rechtwinkelig schneidende Strafsen an, auf die die Tropensonne unbarmherzig herabbrennt, und längs deren die sonst so malerischen Negerhütten als jämmerliche Lehmbuden er-