Vorwort.
Die vorliegende Arbeit über die Insel Mafia ist die Frucht einer Reise, die Dr. Oskar Baumann im Herbst 1895 durch diesen Teil des Sansibar-Archipels gemacht hat. Zum ersten Mal wird hiermit eine zusammenhängende wissenschaftliche Darstellung, zum ersten Mal eine auf sorgsamen Detailaufnahmen beruhende Karte dieser deutsch-ostafrikanischen Insel gegeben.
Unter den jüngeren Afrikareisenden giebt es kaum einen unermüdlicheren als Oskar Baumann. 1885 mit 0. Lenz am oberen Congo, 1886 auf der Insel Fernando Pöo, 1888 mit Hans Meyer in Usambara, 1890 am Kilimandjaro, in Pareh und wieder in Usambara, hat er jedesmal zur geographischen Kenntnis seiner Reisegebiete aufserordentlich viel beigetragen und namentlich durch sorgfältigste kartographische Aufnahme seiner Routen die bis dahin noch wenig oder gar nicht bekannten Gebiete erstmalig erschlossen. Seine gröfste und entdeckungsreichste Forschungsreise war aber die, welche er 1891—93 im Auftrag des Deutschen Antisklaverei-Komitees nach dem centralafrikanischen Seengebiet ausführte. Und kaum hatte er diese grofse Expedition durch die unbekannten südlichen Massailänder und die ebenso unbekannten südwestlich vom Victoria-Nyanza gelegenen Länder Urundi und Uha vollendet und 1894 sein gediegenes und schönes Reisewerk „Durch Massailand zur Nilquelle" abgeschlossen, als er schon wieder eine neue ostafrikanische Forschungsreise plante.
Diesmal galt es dem vor der Sansibarküste liegenden Archipel, dessen drei Hauptinseln Peniba, Sansibar und Mafia nebst ihren vielen kleinen Naehbarinseln teils noch einer gründlichen wissenschaftlichen Untersuchung ermangelten, teils noch fast gar nicht bekannt waren, wie namentlich die seit dem deutsch-englischen Sansibarvertrag von 1890 deutsche Insel Mafia.
1*