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nachmittags von 4—6 Uhr, wofür ein jeder halbjährig erhält 2 7a Reiehsthaler (sic!). Der Kantor hat wöchentlich zwei Symphoniestunden, woran die Tertianer teilnehmen. Früher waren sie frei, die beiden letzten cantores haben Geld dafür genommen, welches aber wieder abzuschaffen ist. Der Schreiblehrer 1)auelsberg pflegt abends von 6—7 Uhr eine Schreibstunde mit V, IV und einigen aus IST zu halten.
Man sieht, welchen Umfang dies Privatstundenunwesen angenommen hatte. Alle diese Fächer sind mit dem in der Schule gleichzeitig Betriebenen nur lose verwandt, etwa eine Ergänzung der eigentlichen Schulstunden, ohne die das Ziel der Schule nicht zu erreichen war.
Zu diesen Einnahmen gesellen sich endlich noch die aus ganz anders gearteten Nebenbeschäftigungen fliessenden, wie z. B. dem Notariat, das manche nebenher betrieben. Ja, einige Lehrer geben sich sogar dazu her, faulen Schülern ihre Orationen anzufertigen. So viele dieser Quellen aber nun auch sind, sie alle waren -doch nicht im stände, ihren Mann ordentlich zu ernähren, ln wie traurigen Verhältnissen sich fast alle damaligen Lehrer befanden, zeigt deutlich ein späteres Gutachten des verdienstvollen Professors Cassel, das er 1759, bereits nach Schönes Tode, ebenfalls auf Erfordern seiner Behörde verfasste.*) Begreiflich daher, dass sie sich nach weiteren Mitteln umsahen, ihre Einnahmen zu steigern. Sie fanden diese Möglichkeit in der Vermehrung ihrer Accidentien, in der sie sehr erfinderisch waren. So wurden zu dem eigentlichen Schulgeld Noviziengeider von den Neueintretenden, Promotionsgelder bei Versetzungen, Neujahrsthaler, Maibäume, die gewöhnlich in Geld umgewandelt wurden, die sog. „Bringung der Lichte“ für die Korrektur der Hausexercitien gleich nach Anfang des Winters oder das Geld dafür, die sog. Binde-lgelder (?)**) u. a. m. erhoben. Auch nahm man für die sonntägliche Katec-hisierung
*) Abgedruckt als Beilage No. III.
**) Sie dienen „zum Angebinde uni Johanni“. In Herborn erhielt der Pädagogearcli an seinem Namenstage von jedem Schüler Vi Rth. „Bindgeld“, an dem seiner Frau als „Bindgeld“ einen silbernen Becher. Bei der Regulierung der Ferien werden die sog. „Bindeltage“ abgeschafft und dafür eine Woche zu Plingsten froigegeben.