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Geschichte des Bremer Gymnasiums bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts / von Hermann Entholt, Oberlehrer an der Hauptschule in Bremen
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dass die Lehrbücher selbst alle lateinisch abgefasst waren, ein aus dem Mittelalter übernommener Übelstand, mit dem erst die haitische Didaktik am Ende des 17 . Jahrhunderts brach, und auch der Umstand, dass in jeder Klasse mehrere ungleich geförderte Jahreskurse mit einander vereinigt waren, erschwerte den Fortschritt bedeutend. Es ist nur ein Glück, dass man damals bei den wenigen Fächern, die allein dominierten, für jedes wenigstens sehr viel Zeit hatte, die man heutzutage, wo neue und immer neue Disziplinen Berücksichtigung ver­langen, schmerzlich vermisst. Man war sich aber auch selbst darüber schwerlich im Unklaren, dass man von der Erreichung des Ideals weit entfernt blieb. Widmar teilt einmal alle Schüler in vier verschiedene Gruppen ein und meint, es gehe einem damit, wie dem Säemann in der Bibel. Die eine Gruppe bestehe aus ganz Unwürdigen, deren Eltern aber un­gehalten sein würden, wenn sie nicht in die höheren Klassen kämen(!), und die doppelt verderben würden, wenn man sie ganz von den Studien fernhielte. Die andere Gruppe ent­halte in sich die grosse Zahl der Schlaffen und Ungehorsamen, die dritte die Unbegabten, die sich aber sehr anstrengten; man müsse also froh sein, wenn nur der vierte Teil der Schüler den Anforderungen genüge!

Auch die beiden Programme des schon oft genannten Rektors Widmar 1600 und 1606 treten natürlich aus dem allgemeinen Rahmen der Zeit nicht heraus. Aber sie bieten noch ausser demjenigen, was bereits gelegentlich daraus angeführt ist, manches Neue und Interessante. Ihr Verfasser war, wie es scheint, ein eifriger, aber hastiger und unruhiger Reformer, dessen Werk keinen dauernden Bestand gehabt hat, wie er denn ja auch selbst seinen Gegnern hat weichen müssen. Sein Bestreben ist, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel zu erreichen, und er hat seinen Ideen in mehreren Schriften, deren wichtigste der Elenchus Gymnasii Bremani von 1606 ist, beredten Ausdruck gegeben.

Im Vergleich zu seinen Vorgängern spannt er seine Forderungen erheblich höher. Besonders stark betont er die Anleitung zum Reden. Neben den ausgewählten Briefen Ciceros von Sturm, wobei den Knaben die formulae loquendi fleissig eingeprägt werden sollen, treten daher schon in VI Aesops Fabeln sowieeinige kurze berühmte

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