Heft 
(2007) Bd. 4. [Bremerhaven]
Seite
81
Einzelbild herunterladen
 

Kirsch - Neu unter Schutz gestellte Kulturdenkmale in Bremen

Rolf Kirsch

Neu unter Schutz gestellte Kulturdenkmale in Bremen

Ehemalige U-Boot-Bunkerwerft »Valentin«, Farge, Rekumer Siel

1943-45 wurde unter dem Decknamen »Valen­tin« in Farge an der Unterweser ein Großbun­ker für die serienmäßige, in zeitsparender Sek­tionsbauweise von der Vegesacker Großwerft »Bremer Vulkan« auszuführende Montage von U-Booten des Typs XXI errichtet. Der mons­tröse Bunker war ein Kernstück der wahnhaften Strategie der Marineführung, mit einer schnel­len und massenhaften Produktion von moder­nen U-Booten das Kriegsglück noch einmal zu wenden. Die bis Kriegsende zu etwa 90 Pro­zent fertig gestellte Bunkerwerft wuchs in einer aberwitzigen Kraftanstrengung unter enormem Einsatz von Menschen und Material in sehr kurzer Zeit heran. Bei dem kleinen Ort Farge entstand eine Großbaustelle mit etwa 50 betei­ligten Firmen, auf der zeitweise mehr als 10.000 Menschen arbeiteten. Die weitaus meisten von ihnen waren Arbeitssklaven des Nazisystems aus zahlreichen Nationen, darunter KZ-Häft­linge aus Neuengamme, Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in großer Zahl sowie Insassen eines Gestapo-»Arbeitserziehungslagers«. Sie waren in mehreren Lagern in der Umgebung in bis zu acht Kilometern Entfernung unterge­bracht und mussten härteste Fronarbeit unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der ge­fährlichen Großbaustelle leisten. Mehrere Tau­send von ihnen fanden den Tod durch Ent­kräftung, Hunger, Krankheiten, Arbeitsunfälle, Misshandlungen und Erschießungen.

Im März 1945 zerstörten zwei alliierte Bombenangriffe die Bunkerbaustelle und ver­anlassten die Oberbauleitung endgültig zur Einstellung der längst sinnlos gewordenen Bau­arbeiten. Der Bunker selbst blieb bis auf drei Bombentreffer weitgehend unversehrt. Nach

dem Krieg diente er noch bis 1949 als Zielob­jekt für alliierte Bombenabwurfübungen. Die später von den Briten geplante Sprengung wur­de nicht durchgeführt, weil eine Beschädigung der umliegenden Wohngebiete befürchtet wur­de. Planungen der frühen Nachkriegszeit von Bremer Seite, den Bunkerkoloss unter einem Hügel aus Trümmerschutt aus dem zerstörten Bremer Westen zu begraben und so die schreck­liche Vergangenheit des Ortes zu verdrängen, kamen ebenfalls nicht zur Ausführung. In der Lokalpresse wurde der Bunker in den 50er Jah­ren noch hin und wieder rezipiert, vor allem in fehlgeleiteter Akzentuierung als technisches Faszinosum (»achtes Weltwunder«). Nach lan­gem Leerstand baute das Bundesverteidigungs­ministerium den hinteren, nicht gravierend be­schädigten Teil des Bunkers zur Nutzung als Marinematerialdepot aus, das 1966 in Betrieb ging. Dem Bunker hatte man zu diesem Zweck ein neues Mannschafts-Dienstgebäude zur Sei­te gestellt.

Der Bunker »Valentin« geriet auch ohne Verschüttung in eine angesichts seiner Un­übersehbarkeit seltsam unwirkliche, fast völlige Vergessenheit. Erst in den 1980er Jahren setzte man sich sowohl auf bremischer wie auf nieder­sächsischer Seite zunehmend mit der Geschich­te des Bunkerbaus und der Lager auseinander. 1983 wurde ein von dem Bremer Künstler Friedrich Stein geschaffenes Mahnmal zu Erin­nerung an die Opfer des Bunkerbaus errichtet. In jüngster Zeit diente das Innere des ruinösen Bunkerteils dem Bremer Theater als Kulisse für das Anti-Kriegs-Drama »Die letzten Tage der Menschheit« von Karl Kraus. Eine von mehre­ren erhaltenen Baracken des ehemaligen so ge-