Heft 
(2007) Bd. 4. [Bremerhaven]
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Struwe - Die Instandsetzung der Villa Rabien in Bremerhaven

Ottmar Struwe

Die Instandsetzung der Villa Rabien in Bremerhaven

Dem aufmerksamen Beobachter ist es in den letzten Monaten sicher nicht entgangen, dass an der Villa Rabien (An der Allee 10) Sanie­rungsarbeiten an den Fassaden und am Dach vorgenommen wurden. Die Eigentümerin setzt mit diesen Erhaltungsmaßnahmen die Arbeit des vorherigen Besitzers fort, der sich über Jah­re der Erhaltung des Hauses gewidmet hatte. Dies ist auch der Grund dafür, dass sich noch sehr viele originale Details im und am Haus befinden. Dieser selbst für ein Baudenkmal eher seltene Reichtum an authentischen Bau­elementen bedeutet für die Eigentümerin aber auch, dass Reparaturen mit mehr Sorgfalt und Bedacht ausgeführt werden müssen, als dies an einem »normalen« Haus der Fall wäre. Es bedarf daher schon einer besonderen Hingabe und Be­geisterung für das Kulturdenkmal, um bei den Baumaßnahmen immer wieder nach der jeweils besten und somit auch denkmalgerechten Lö­sung für ein Problem zu suchen.

Dies allein wäre schon Grund genug, um an dieser Stelle einmal über die Villa Rabien zu be­richten; es ist zudem aber auch ein ausgezeich­netes Beispiel privaten Engagements für die All­gemeinheit. Denn mit den durchgeführten Baumaßnahmen wurde nicht nur der Wert des seit 1979 als Denkmal eingetragenen Hauses er­halten, sondern auch ein besonderes Zeugnis der Baukultur in Bremerhaven.

Dass aus der Villa Rabien einmal ein Bau­denkmal werden würde, haben beim Baubeginn 1902 vermutlich weder der Bauunternehmer W. Rogge noch der Bauherr, der Obersteward August Rabien, geahnt, auch wenn das villenartige Wohnhaus schon zur Erbauungszeit etwas Be­sonderes gewesen sein dürfte. Oberstewards wa­ren gut verdienende Spitzenkräfte an Bord der Oceanliner des Norddeutschen Lloyd. Für die

Villa Rabien mit bauzeitlicher Einfriedung

Finanzierung eines derart aufwändigen Hauses mag aber zusätzlich eine Rolle gespielt haben, dass der Bauherr aus einer wohlhabenden Fami­lie, die eine Schiffsausrüsterfirma in Geestemün­de betrieb, stammte.

Im Jahre 1903 wurde das Wohnhaus mit sei­ner ausgeprägten Dachlandschaft und den sehr unterschiedlichen Fassaden fertig gestellt. An ei­ner der beiden Schauseiten bestimmt ein erker­artiger Vorbau zusammen mit einem überdach­ten Balkon und einem Dachausbau in Fachwerk die Szenerie, an der anderen der barockisierende Schweifgiebel vor dem Treppenhaus. Beide Fas­saden werden in sehr gelungener Form durch ei­nen Eckturm verbunden. Seine besondere Wir­kung erhält das Haus durch seine Lage an der Straßenecke An der Allee und Kurfürstenstra-